Pater John Baptist Keraryo Opargiw: der neue Provinzial von Südafrika

Eine neue Aufgabe mit vielfältigen Herausforderungen: am 1. Januar 2023 hat Pater John Baptist Opargiw sein neues Amt als Provinzial der Ordensprovinz Südafrika angetreten. Damit ist er verantwortlich für die Comboni-Gemeinschaften in Pietermaritzburg (Diözese Durban), Mahube Valley und Silverton (Diözese Pretoria), Acornhoek, Lydenburg und Waterval (Diözese Witbank) sowie Orange Farm und das Provinzialat in Johannesburg (Diözese Johannesburg). Unterstützt wird er bei seiner Arbeit von vier Provinzräten.

Werdegang

Die ersten zehn Jahre nach seiner Priesterweihe 1986 war Pater John Baptist in der Ausbildung junger Mitbrüder im Formation House in Uganda tätig. Von 1997 bis 2002 folgte ein Einsatz in der Zentralafrikanischen Republik. Er berichtet von einer schönen Erfahrung, bei der er nach dem Erlernen der Sango-Sprache in einer ländlichen Mission in der Erstevangelisierung arbeitete. Anschließend war er von 2002 bis 2009 wieder Ausbilder, diesmal im Formation Hause in Sambia. Bis 2021 hatte er in Rom das Amt als Generalsekretär für Ausbildung in der Kongregation inne. 2021 wurde er nach Südafrika in das Scholastikat von Pietermaritzburg versetzt.

Erste Eindrücke von Südafrika

Pater John Baptist kannte Südafrika schon von früher, da er während seiner Amtszeit in Rom die verschiedenen Ausbildungshäuser besucht hatte. Dennoch war es für ihn kein einfacher Start. Um das Scholastikat in Pietermaritzburg herum liegen arme Siedlungen und Slums. Die Kriminalität ist sehr hoch, und man muss immer damit rechnen, bestohlen oder ausgeraubt zu werden. Er berichtet davon, dass während seiner ersten Woche ganz in der Nähe zwei Mädchen ermordet wurden, kurze Zeit später ein Äthiopier. Für ihn, der gerne draußen unterwegs ist, war es eine Umstellung, es hieß vorsichtig zu sein und im Haus zu bleiben. Er hat die Situation akzeptiert und betont, er wollte bleiben, wo er hingepflanzt wurde.

Bald nach seiner Ankunft kehrte der inzwischen verstorbene Pater Bernhard Riegel krankheitsbedingt nach Deutschland zurück. Pater John Baptist wurde zu seinem Nachfolger im Provinzrat gewählt, was er als großen Vertrauensbeweis sah.

Herausforderungen

Im Blick auf sein neues Amt als Provinzial spricht Pater John Baptist von zwei großen Herausforderungen. Da ist zum einen die Einheit, die Einigkeit – sowohl was das Land als auch die Comboni-Missionare betrifft. Er wünscht sich weniger Individualismus und Regionalismus und betont, dass die Kirche ist berufen ist, einen Beitrag zu Gemeinschaft und Zusammengehörigkeitsgefühl zu leisten. In diesem Sinn stellte er auch die erste Sitzung des Provinzrats unter seiner Führung unter das Leitwort „ut unum sint“, als Zeugnis für die Menschen in Südafrika. Der Provinzrat ist international besetzt mit je einem Ugander, Mexikaner, Kongolesen, Südafrikaner und Italiener.

Ein weiteres bedeutendes Arbeitsfeld sieht er in der „Heilung der Erinnerung“, wie er es nennt. Die Apartheid gibt es zwar nicht mehr in der Verfassung, wohl aber in den Köpfen der Menschen. Da ist auch noch viel Angst. Und Pater John Baptist stellt immer wieder fest: „Blut ist dicker als Wasser“. So berichtet er von einem Erlebnis beim Einkauf. Dabei kam er mit der Kassiererin, einer Farbigen, ins Gespräch. Als sie erfuhr, dass John Baptist Priester ist, sagte sie, dass sie auch Katholikin sei. Auf seine Bemerkung hin, dass er sie noch nie im Gottesdienst gesehen hätte, erzählte sie ihm, dass sie in eine andere Gemeinde geht. Die Erfahrung zeigt, dass Schwarze, Farbige, Inder oder Weiße bestimmte Gemeinden bevorzugen. Das führt so weit, dass frühere Gemeindemitglieder, die in Townships in einigen Kilometern Entfernung umgesiedelt wurden, immer noch in den Gottesdienst bei den Comboni-Missionaren kommen, während Inder aus der Nachbarschaft weiter weg zum Gottesdienst fahren. Um diese Grenzen aufzuheben, möchte Pater John Bosco Möglichkeiten zur Begegnung bieten und verschiedene Gemeinden zusammen einladen

Die Comboni-Gemeinschaft

In Südafrika gehen die Zahlen der Comboni-Missionare zurück, sodass der Provinzrat den Generalrat gebeten hat, Mitbrüder aus anderen Provinzen dorthin zu versetzten. Es gibt auch wenige Berufungen, aktuell ist es nur ein Student aus Lesotho. Im Scholastikat in Pietermaritzburg, das von Pater Aldo Sierra geleitet wird, leben derzeit 14 Studenten in einer internationalen Gemeinschaft. Sie kommen aus Guatemala, Uganda, Kenia, Südsudan, Togo, Sambia und von den Philippinen.

Pater John Baptist ist es wichtig hervorzuheben, dass es genügend jüngere Mitbrüder in der Kongregation gibt. Sie bilden zwar die Minderheit, sind aber begeistert und engagiert und haben Stimme und Bedeutung. Er zitiert den heiligen Daniel Comboni: „Ich sterbe, aber mein Werk stirbt nicht.“

Jubiläum

Für nächstes Jahr ist die 100-Jahrfeier der Kongregation in Südafrika geplant. Die Gemeinschaft in Witbank wurde 1923 gegründet, 1924 kamen die ersten Comboni-Missionare, die aus politischen Gründen aus dem Sudan ausgewiesen worden waren, in Südafrika an.

Das Jubiläumsjahr wird am 10. Oktober 2023, dem Comboni-Fest, eröffnet. Der Höhepunkt wird am 10. Oktober 2024 sein. Auf dem Programm stehen über das Jahr verteilt ein Symposium „Kirche heute“, eine „Wall of remembrance“ mit bedeutenden Comboni-Missionaren und Angebote für Jugendliche. Eine Schwierigkeit ist die Erstellung der Liste aller Provinziäle seit der Gründung, da Angaben nur seit der Wiedervereinigung im Jahr 1979 vorliegen. Bei Feiern in den verschiedenen Diözesen, in denen die Comboni-Missionare vertreten sind, soll im Dialog auch die Ortskirche eingebunden werden.

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