Bruder Ivan Bernardi: Ein Grödner mit vielen Missionserfahrungen

Bruder Ivan Bernardi: Ein Grödner mit vielen Missionserfahrungen

Br. Ivan Bernardi war als Missionar in Ecuador, Kolumbien und Peru tätig und war dort für ganz verschiedene Aufgaben in der Ausbildung von Brudermissionaren und in der Verwaltung verfügbar. Diese Bereitschaft, auch immer wieder den Einsatzort und das Land zu wechseln, kennzeichnet viele unserer Missionare.

Ich bin in Bozen geboren und in Gröden aufgewachsen. Dort habe ich in Wolkenstein die Volksschule und in St. Ulrich die Mittelschule besucht. Schon in meiner Kindheit und Jugend habe ich begonnen, mich für die Mission und das soziale Leben in anderen Ländern zu interessieren. Deshalb suchte ich zuerst den Kontakt mit den Steyler Missionaren. Doch die Wege Gottes führen uns Menschen oft in eine etwas andere Richtung. Durch eine Bekannte aus Brixen wurde ich auch auf die „Missionare Söhne des Heiligsten Herzens Jesu“, wie sich die Comboni-Missionare damals noch nannten, aufmerksam. Es war dann vor allem Pater Eduard Falk, der mich einige Male besuchte und der mich ins Missionshaus Milland brachte, wo ich schließlich im Herbst 1963 als Postulant eingetreten bin.

Nach einer Ausbildung als Kunstschlosser begann ich 1966 das Noviziat in Ellwangen in Deutschland und durfte dort nach zwei Jahren die erste Profess ablegen. Zuerst habe ich in der Missionsprokura mitgeholfen, bevor ich die Gelegenheit bekam, mich in Spanien auch sprachlich auf einen Missionseinsatz in Lateinamerika vorzubereiten. Im Jahre 1977 erhielt ich die Sendung nach Ecuador, wo ich in der Bubenstadt in Esmeraldas meinen Beruf als Schlosser ausüben und junge Menschen in dieses Handwerk einführen konnte. Doch bald wurde ich in unser Provinzhaus in die Hauptstadt Quito gerufen, um die Verwaltung der Provinz zu übernehmen. Als Pater Lino Campesan, der damalige Leiter der Bubenstadt, durch einen Unfall ums Leben kam, musste ich seine Aufgabe übernehmen, was ich, ehrlich gesagt, zunächst als Schock und Überforderung empfand. Ein Internat mit über hundert Jugendlichen, mit Lehrern und sonstigem Personal zu leiten, war doch eine große Herausforderung.

Eine sehr bereichernde Erfahrung war für mich dann das Generalkapitel der Comboni-Missionare in Rom, an dem ich als Delegierter der Brüder von Lateinamerika teilnahm. Auf dieser internationalen Versammlung wurde auch beschlossen, in Quito ein Ausbildungszentrum für Brudermissionare nach der ersten Profess zu eröffnen. Ich sollte dort nach einer entsprechenden Vorbereitung in Spanien die Leitung übernehmen. Wegen besserer Studienmöglichkeiten wurde dieses Brüderzentrum später in die kolumbianische Hauptstadt Bogotá verlegt. Doch inzwischen wartete schon wieder eine neue Aufgabe auf mich. In Deutschland war man auf der Suche nach einem Provinzverwalter. So musste ich 1990 Kolumbien wieder verlassen. Ich war dann sechs Jahre mit der Verwaltung der Deutschsprachigen Provinz der Comboni-Missionare beauftragt.

Dann stand für mich wieder ein Wechsel an, und ich war voller Hoffnung, nach Ecuador zurückkehren zu können. Doch meine Oberen hatten etwas anderes mit mir vor. Ich sollte in Peru in unserer Missionszeitschrift „Mision Sin Fronteras“ mitarbeiten. Unter den verschiedenen Aufgaben, die mir dort anvertraut wurden, machte es mir besondere Freude, monatlich die kleinen Gruppen der Förderinnen zu besuchen, die sich für die Verbreitung unserer Zeitschrift engagierten. Mit einigen dieser meist älteren Frauen bin ich bis heute schriftlich in Kontakt. Aber wieder wurde – diesmal in Lima – ein Provinzverwalter gebraucht, und Bruder Ivan war wieder bereit, diese Aufgabe im Provinzhaus zu übernehmen. Dort verbrachte ich den Rest meiner „Missionsjahre“, bis man mich 2016 wieder nach Deutschland holte.

In Ellwangen war ich jetzt Mitglied des Teams zur Verbreitung des „Werk des Erlösers“. Bei der Verteilung unserer Missionskalender habe ich weite Teile von Baden-Württemberg und auch einige Gebiete von Rheinland-Pfalz kennen gelernt. Es war eine schöne Zeit. Ich bin nun hier in unserem Haus in Ellwangen, in dem eine größere Zahl älterer und kranker Missionare liebevolle Aufnahme und Pflege erfahren. Neben meiner Aufgabe in der Hausverwaltung fehlt es für mich nicht an verschiedenen kleinen Diensten, die ich in dieser Gemeinschaft übernehme. Im letzten Jahr war ich noch einmal – und diesmal als Vertreter der Brüder der Deutschsprachigen Provinz und Englands – Delegierter beim Generalkapitel in Rom.

Ich bin jetzt viele Jahre bei den Comboni-Missionaren und darf dankbar feststellen, welch großer Wandel sich zurzeit in unserer internationalen Missionskongregation vollzieht. Der Nachwuchs kommt größtenteils aus Afrika, und auch unsere Provinzen in Europa dürfen in zunehmenden Maß mit der Mitarbeit von Mitbrüdern aus den Provinzen des Südens rechnen. Die Mission der Kirche, für die ich mich ein Leben lang in verschiedenen Ländern und in verschiedenen Aufgaben zur Verfügung gestellt habe, hat mich so Manches gelehrt. In meinem Gebet, das ich jeden Morgen auf Spanisch spreche, heißt es: „Herr schenke mir Weisheit, Intelligenz und viel Geduld und mehr Vorsicht“.

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