Bruder Johannes Valentini: Durch Kreuz und Leid zum Brudermissionar

Bruder Johannes Valentini aus Stern im Gadertal musste einen leidvollen Weg zurücklegen, bis sich nach einer schweren Erkrankung im besten Jugendalter trotz seiner Behinderung sein sehnlichster Wunsch erfüllte, Gott und den Menschen als Brudermissionar zu dienen. Was er uns im Rückblick auf sein Leben, das so ganz anders verlief, als er sich das vorgestellt hatte, erzählt, ist ein bewegendes Zeugnis des Gottvertrauens.

Ich war noch ein kleiner Bub. Meine Mutter lag krank im Bett. Da setzte ich mich zu ihr und bat sie: „Mutter, ich will Priester werden.“ Sie lächelte mich an und schwieg. Mit elf Jahren bat ich meine Eltern wieder um die Erlaubnis zum Studium in Brixen. Ich wollte ins Missionshaus Milland, weil sich dort schon zwei meiner Onkel und zwei meiner Cousins den Comboni-Missionaren angeschlossen hatten. Wir waren eine große Bauernfamilie, und unser Einkommen war sehr knapp. Meine Eltern erfüllten mir meinen Wunsch, obwohl es für sie ein großes Opfer bedeutete. So konnte ich 1955 mein Studium beginnen. Die Zeit bis zur Matura war für mich wohl die schönste Zeit meines Lebens. Mit dem Studium hatte ich keine Schwierigkeiten. Ich gab meinen Mitschülern, die es nötig hatten, in verschiedenen Fächern Nachhilfestunden. Anderen Menschen zu helfen war für mich eine große Freude, und ich tat es gerne. Auch den Sport liebte ich und die Berge. In der Stille der Bergwelt spürte ich immer stärker den Ruf Christi, ihm als Priester nachzufolgen. Auch die Musik liebte ich sehr. Sie war für mich eine Begegnung mit Gott und mit den schöpferischen Fähigkeiten von Menschen.

Im Jahr 1964 machte ich die Matura und war fest entschlossen, ins Noviziat zu gehen und Missionar zu werden. Doch dann kam der schwere Schicksalsschlag. Ich erkrankte an Gehirnhautentzündung. Meine rechte Körperseite war vom Kopf bis zum Fuß gelähmt. Mein Gedächtnis half mir nichts mehr. Was man mir sagte, vergaß ich gleich wieder. Im schönsten Lebensalter lag ich mit zwanzig Jahren ein ganzes Jahr im Krankenhaus. Ich konnte nicht mehr alleine essen und musste mich füttern, waschen und pflegen lassen wie ein kleines Kind. Was das für einen jungen Menschen im besten Lebensalter bedeutete, kann sich jeder vorstellen. Ja, und dann kamen die Fragen, auf die ich keine Antwort fand: Warum hat Gott gerade mir diese Krankheit geschickt? Warum wollte er nicht, dass ich Missionar werde? An diesen Fragen habe ich seelisch mehr gelitten als an meiner körperlichen Krankheit. Nur sehr langsam ging es mir etwas besser.

Ich habe mit dem Stock wieder Schritt für Schritt gehen gelernt. Wie ein Kind in der ersten Volksschulklasse musste ich mit der linken Hand auch wieder schreiben lernen. Im Herbst 1965 entschloss ich mich, mit dem Südtiroler Pilgerzug nach Lourdes zu fahren. Im Herzen nahm ich die Bitte an die Gottesmutter mit, sie möge mir von ihrem Sohn Jesus Christus die Gnade der vollständigen Gesundheit erflehen, damit ich Priester und Missionar werden kann. Doch körperlich geschah gar nichts an mir. Ich blieb so wie ich war. Das große Wunder, das sich in Lourdes in mir ereignete: Ich bekam die Gnade, meine Krankheit mit all ihren Folgen geduldig und gottergeben zu tragen und sie als Willen Gottes ganz anzunehmen. Ich überließ mich ganz der Fügung Gottes. Seit dieser Zeit trage ich nur noch die eine Bitte im Herzen: Jesus, mach mit mir, was du willst. Ich bin ganz Dein Werkzeug. Dein Wille geschehe.

Zwei Jahre war ich daheim, bis ich am Ende des Jahres 1967 von zwei Comboni-Missionaren Besuch bekam, die mich eingeladen haben, im Missionshaus Mellatz im Missionsbüro mitzuarbeiten. Ich sagte gleich zu und versprach das Wenige, das ich mit meiner linken Hand tun konnte, gerne zu tun. Ein Jahr darauf boten mir der Generalobere und sein Rat die Aufnahme in die Missionsgemeinschaft der Comboni-Missionare an, eine Einladung, die ich mit einem freudigen Ja angenommen habe. So habe ich dann nach zwei Jahren Noviziat im Jahr 1970 meine erste Profess und 1977 meine ewigen Gelübde abgelegt und im Missionshaus Mellatz neben der Arbeit im Büro auch den Dienst an der Pforte des Missionshauses übernommen, den ich bis vor einigen Jahren mit viel Freude ausgeübt habe. Dort bin ich mit vielen Menschen in Kontakt gekommen, die ich vor allem mit meinem Gebet begleitet habe.

Durch meine Krankheit war mir die Möglichkeit genommen, Priester zu werden. Aber ich bin sehr dankbar, dass ich Gott und den Menschen als Brudermissionar dienen durfte. Seit einiger Zeit bin ich nun altersbedingt im Pflegeheim in Ellwangen. Die körperlichen Beschwerden werden mehr, und doch kann ich durch mein Gebet noch immer ein Segen für viele Menschen sein und in der Überzeugung leben, ein Werkzeug in Gottes Hand zu sein. Gott allein weiß, warum ich damals krank geworden bin. Sein Wille geschehe!

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