Die Comboni-Missionare in der Provinz Ägypten-Sudan

Die Comboni-Missionare in der Provinz Ägypten-Sudan

Historische Einführung

Die Präsenz der Comboni-Missionare in Ägypten und im Sudan geht auf den heiligen Daniel Comboni selbst zurück, denn er gründete in Kairo ein Institut zur Ausbildung seiner Missionare für die Mission im Vikariat von Zentralafrika, dessen Sitz Khartum war. Dort, in der Hauptstadt des Sudan, starb Comboni im Jahr 1881.

Die heutige Provinz Ägypten-Sudan ist jüngeren Datums, denn sie entstand am 1. Januar 2014 aus der Zusammenlegung der Delegation Ägypten und der Provinz Khartum. Letztere war 1913 gegründet worden. Zurzeit arbeiten in der Provinz zweiundvierzig Missionare aus sechzehn verschiedenen Ländern.

Eine gemeinsame Sprache und eine gemeinsame Schlussfolgerung für ihre Revolutionen

Beide Länder haben eine gemeinsame Amtssprache, Arabisch, und der Islam ist die vorherrschende Religion.

Die meisten Experten schätzen, dass etwa neunzig Prozent der ägyptischen Bevölkerung sunnitische Muslime und zehn Prozent Christen sind. Ungefähr neunzig Prozent der Christen gehören der koptisch-orthodoxen Kirche an. Die Zahl der Katholiken (weniger als zweihunderttausend) macht weit weniger als ein Prozent der ägyptischen Gesamtbevölkerung aus, die etwa hundert Millionen Menschen umfasst. Die meisten dieser Katholiken praktizieren den koptisch-katholischen Ritus, während die meisten lateinischen Katholiken sudanesische Flüchtlinge sind, die hauptsächlich von den Comboni-Missionaren in Ägypten betreut werden. Es gibt auch Katholiken, die anderen Riten wie dem maronitischen oder dem melkitisch- griechischen angehören.

Im Sudan ist es immer schwierig, Statistiken vorzulegen, da die letzte Volkszählung im Jahr 2008 durchgeführt wurde. Nichtsdestotrotz wird die Bevölkerung auf 45 Millionen geschätzt, mit einem Durchschnittsalter von 19,7 Jahren. Nur ein bis zwie Prozent davon sind Christen. Die Zahl der sudanesischen Katholiken liegt bei etwa zweihunderttausend, die hauptsächlich aus der Region der Nuba-Berge stammen. Hinzu kommen dreihunderttausend Südsudanesen, die im Sudan geboren wurden, und eine wechselnde Zahl von südsudanesischen Flüchtlingen, die aufgrund des Bürgerkriegs in ihrem Land zwischen beiden Ländern hin- und herpendeln, und die in den katholischen Gemeinden des Landes aktiv sind. Ihre Zahl hat zeitweise siebenhunderttausend erreicht. 

Ägypten und Sudan haben 2011 bzw. 2019 zwei Revolutionen erlebt, die zu neuen Militärregierungen geführt haben.

Während die Kirche in Ägypten günstige Beziehungen zur Regierung unterhält, gewinnen islamistische Tendenzen im Sudan im neuen Panorama nach der Revolution Machtpositionen zurück.

Die Präsenz der Comboni-Missionare

Einer der wichtigsten pastoralen Bereiche der Comboni-Missionare in dieser Provinz ist das Bildungswesen. In Ägypten unterhält die Kongregation Schulen in Helwan, Sakakini (Kairo) und Zamalek (Kairo) mit ägyptischen, südsudanesischen, sudanesischen und eritreischen Flüchtlingsschülern.

Im Sudan betreiben die Comboni-Missionare Schulen in Port Sudan, Kosti, Khartum und Omdurman mit einem hohen Anteil an südsudanesischen Flüchtlingen und Nuba-Vertriebenen.

Die Gesamtzahl der Schüler in all diesen Schulen beträgt etwa siebzehntausend.  Das Engagement im Bildungsbereich endet jedoch nicht mit den Grund- und Sekundarschulen. Die Provinz beherbergt zwei höhere Bildungseinrichtungen. Das Päpstliche Institut Dar Comboni bereitet mit seinen Kursen in arabischer Sprache und Islamstudien Ordenspersonal auf die Arbeit in Ländern mit islamischer Mehrheit vor. Und das Comboni College of Science and Technology (CCST) ist eine gemeinnützige Hochschuleinrichtung, die fünf Bachelor-Studiengänge und zwei Vordiplome in verschiedenen akademischen Bereichen anbietet. 45 Prozent der Studierenden stammen aus Flüchtlingsfamilien aus dem Südsudan und Eritrea.

Das CCST hat 2019 einen Inkubator für Start-ups eingerichtet, um die Gründung von IKT-gestützten Unternehmen mit großer sozialer Wirkung zu unterstützen, insbesondere durch vertriebene und geflüchtete junge Menschen. Alle diese Bildungseinrichtungen sind gemeinsame Räume, in denen der interreligiöse Dialog im täglichen Leben gelebt wird.

Darüber hinaus leiten die Comboni-Missionare in der Provinz neun Pfarreien, in denen die Erstevangelisierung noch im Gange ist, insbesondere im Sudan. Schließlich sind einige Missionare in Ägypten vor allem im Bereich der Missionarischen Bewusstseinsbildung tätig.

P. Jorge Naranjo Alcaide

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