Nur der Zehnte (28. So. i. J. – Lk 17, 11-19)

Nur der Zehnte (28. So. i. J. – Lk 17, 11-19)

Auf dem Weg nach Jerusalem zog Jesus durch das Grenzgebiet von Samarien und Galiläa. Als er in ein Dorf hineingehen wollte, kamen ihm zehn Aussätzige entgegen. Sie blieben in der Ferne stehen und riefen: Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns!

Als er sie sah, sagte er zu ihnen: Geht, zeigt euch den Priestern! Und während sie zu den Priestern gingen, wurden sie rein. Als die zehn Aussätzigen bemerkt hatten, dass sie geheilt waren, kannte ihre Freude keine Grenzen.

Einer lief sofort zu seinen Freunden und konnte nicht aufhören, seine Heilung zu feiern. Der zweite, ein Familienvater, konnte es nicht erwarten, seine Frau und seine Kinder in die Arme zu schließen. Der dritte, ein Kaufmann, nahm sofort seine Geschäfte wieder auf, die inzwischen im Argen lagen. Alle drei wollten Jesus danken, doch verschoben sie es auf morgen, immer wieder auf morgen. Der vierte war zu schüchtern, um allein zu Jesus zu gehen, und niemand ging mit ihm. Der fünfte konnte kein angemessenes Geschenk finden, um gebührend zu danken. Der sechste fand sein Haus inzwischen von anderen bewohnt und stritt um sein Recht. Der siebente wollte an seine Krankheit und seine dunkelsten Stunden einfach nicht mehr erinnert werden. Alle dachten sich: auf einen einzigen wird es doch nicht ankommen. Der achte musste erfahren, dass sein Mädchen inzwischen einen anderen Freund hatte; er zürnte Jesus, dass er ihn dabei im Stich gelassen hatte. Der neunte befürchtete, Jesus könnte von ihm verlangen, ihm nachzufolgen.

Nur der zehnte ging spontan zu Christus zurück. Er warf sich vor den Füßen Jesu zu Boden und dankte ihm. Dieser Mann war aus Samarien.

Aus dem Pfarrblatt Graz-Graben, Oktober/November 1998.

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