Zum Geburtstag des hl. Daniel Comboni: Pater José Vieira – Die Poesie der Mission

Der portugiesische Comboni-Missionar Pater José Vieira wird im kommenden Juli das 36. Jahr seines jähriges Priester- und Missionslebens vollenden. Von all diesen Jahren verbrachte er gut 18 in Portugal und eine ganze Reihe in Afrika. In Äthiopien arbeitete er von 1992 bis 2001, dann war er von 2007 bis 2013 im Südsudan (rechts im Bild), und seit 2020 ist er in der Mission von Qillénso, ebenfalls in Äthiopien. Nachdem er die Schriften des heiligen Daniel Comboni „von vorne bis hinten gelesen“ hatte, schrieb Pater José Vieira eine kurze Reflexion dazu:

Seit langem hegte ich einen Traum, den ich wegen seines Umfangs immer wieder aufgeschoben habe: die Schriften des heiligen Daniel Comboni von vorne bis hinten zu lesen. Das Werk versammelt auf über zweitausend Seiten Briefe, Berichte, Studien, Dokumente und andere Texte, die der Gründer der Comboni-Familie – der Comboni-Missionare, der Comboni-Missionsschwestern, der Comboni-Säkularschwestern und der Comboni-Laienmissionare – zwischen dem 27. Dezember 1850 und dem 4. Oktober 1881 geschrieben hat.

Die Schriften des heiligen Daniel Comboni wurden im Jahr 2017 auch in der deutschen Übersetzung veröffentlicht: Band I (aus den Jahren 1850-1873; 1459 Seiten) und Band II (aus den Jahren 1874-1881; 1447 Seiten).

Als ich im August letzten Jahres aus Portugal zurückkehrte, entschied ich mich: jetzt oder nie. Jetzt oder nie, denn es ist noch viel Zeit. Ich lud die 1494 A4-Seiten Fließtext auf den E-Reader, und über fünfzig Stunden später sah ich meinen Traum als erfüllt an.

Comboni Tag für Tag zu lesen, war vor allem eine Erfahrung sehr starker Verbundenheit mit meinem Vater und Gründer: vom inneren Kampf, den er durchmachte, um seine alten Eltern zu verlassen (er war der einzige Überlebende von acht Geschwistern) und sich auf eine Expedition des Instituts von Don Mazza – dem er angehörte – nach Zentralafrika zu begeben, bis zum letzten Brief an Pater Kentenich. Von Fieber geplagt, erschöpft von der apostolischen Arbeit, zerrissen von Verleumdungen, schrieb er: „Möge alles geschehen, was Gott will. Gott verlässt niemals diejenigen, die auf ihn vertrauen. Er ist der Beschützer der Unschuld und der Rächer der Gerechtigkeit. Ich bin glücklich über das Kreuz, das, wenn ich es freiwillig um Gottes willen trage, Triumph und ewiges Leben bringt“.

Comboni ist ein hervorragender Schriftsteller, und er nimmt uns durch seine Beschreibungen mit auf eine Pilgerfahrt ins Heilige Land auf dem Weg nach Afrika, auf Reisen auf dem Weißen Nil nach Santa Cruz, zur Mission unter den Dinka im Südsudan, wo er von Februar 1858 bis Januar 1859 lebte, durch die Wüsten von Atmur und Kordofan, auf dem Rücken eines Kamels schwingend, nach Khartum, El Obeid oder in die Nuba-Berge.

Er schrieb viel, um sein geliebtes Zentralafrika bekannt zu machen – „die erste Liebe meiner Jugend“, um die grausame Sklaverei anzuprangern, der seine Völker unterworfen waren, um Missionare und finanzielle Mittel zu finden, um seine Mission der Superlative zu erfüllen – „sicherlich der unglücklichste und verlassenste Teil der Welt, sowie der am schwierigsten zu evangelisierende wegen der besonderen Umstände, die seiner Bekehrung entgegenstehen“ „die weiteste“, „die umfangreichste und bevölkerungsreichste Mission des Universums“. Er wünschte sich „hundert Sprachen und hundert Herzen, um auf das arme Afrika aufmerksam zu machen, „tausend Leben, um sie für diesen Zweck hinzugeben“. „Ich werde mit Afrika auf den Lippen sterben“, prophezeite er.

Comboni pflegte die Freundschaft mit einfachen Leuten bis hin zu Königen und Kaisern. Zu seinen Freunden gehörte „Ihre königliche Hoheit Doña Maria Asunción de Braganza, Tochter des früheren Königs von Portugal. Sie hat die Güte und die Geduld, mir jeden Tag vier bis sechs Stunden zu widmen. Diese liebe und wertvolle Beziehung wird Afrika zugutekommen.“ Die 32-jährige portugiesische Prinzessin lebte in Rom und war seine Portugiesisch-Lehrerin. Aber sie sprach und schrieb auch Latein, Italienisch, Deutsch, Französisch, Englisch (sie schrieb The Tablet, die katholische Wochenzeitung, die noch heute erscheint), Arabisch, Dinka und Oromo (eine der Sprachen Äthiopiens, die sie lernte, als sie 1861 nach Aden ging, um einige Jungen dieser Volksgruppe zu retten und sie nach Italien zu bringen, um sie auszubilden).

Am 15. März 2023 jährt sich der Geburtstag unseres Ordensgründers, des hl. Daniel Comboni, zum 192. Mal.

Comboni hatte nur ein Ideal: die Rettung Afrikas durch die Afrikaner. Er schrieb einen Plan, um dieses Ideal in die Praxis umzusetzen, in dem er alle missionarischen Kräfte der Kirche in eine Zusammenarbeit einbezog, die aufgrund des „verfluchten Egoismus von Mönchen und Ordensleuten, der fast alle Orden beherrscht“ nicht einfach war. Von einigen seiner Mitarbeitern verleumdet, die seinen Posten als apostolischer Pro-Vikar und dann als Bischof anstrebten, verzieh er ihnen alles, sofern sie weiterhin in Afrika arbeiteten. Er hatte kein Problem damit, Merissa zu trinken, das Bier, das die Sudanesen aus Sorghum-Hirse brauten und das den teuren Wein ersetzte, der nur bei der Messe getrunken wurde.

Comboni war der erste, der Missionarinnen nach Zentralafrika brachte: zuerst die Schwestern des heiligen Josef von der Erscheinung, dann die Frommen Mütter von Nigrizia, die er 1872 gründete und die heute Comboni-Missionsschwestern heißen: „Ich habe als erster die Frau zum umfassenden Dienst am Evangelium und als Schwester der Nächstenliebe zur Mitarbeit im Apostolat nach Zentralafrika geholt. Sie ist für den Missionar ein Schild, eine Stütze und eine Gewähr.“

Vor zwei Jahrhunderten war es nicht leicht, als Missionar in Zentralafrika zu arbeiten. Es gab keine Medikamente gegen Tropenkrankheiten wie heute, der Transport per Fluss, Kamel oder Pferd dauerte Monate, die Kosten waren enorm und „in El Obeid ist Wasser teurer als Wein in Italien“. Comboni nannte die Schwierigkeiten „Kreuze“ und sagte oft: „Gott hat bestimmt, dass die Werke, die zu seiner größeren Ehre dienen sollen, mit dem Zeichen des Kreuzes gekennzeichnet werden“. Für ihn waren die Kreuze das Siegel der Werke Gottes. Und er erklärte: „Christus hat das Kreuz gemacht und nicht den Wagen für die himmlische Reise“.

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