Samstag der neunten Woche der gewöhnlichen Zeit

Mk 12,38-44: Diese Witwe, die so arm ist, hat mehr in den Gotteskasten geworfen als alle anderen.

Der von König Herodes angeordnete Wiederaufbau des Tempels hatte zu einer Wiedergeburt der Priesterklasse geführt. Zur Zeit Jesu war Jerusalem wieder zur Hauptstadt des jüdischen Glaubens und der Tempel zum Bezugspunkt für jeden Juden geworden.

Diese religiöse und nationalistische Erlösung hatte die Macht und den Ruhm der religiösen Männer überproportional gesteigert. Jesus, in Jerusalem angekommen, kritisiert heftig bestimmte Strömungen von gestern und heute, wie den Schein, die Eitelkeit und den Betrug. Der Bau des Tempels, der noch nicht fertiggestellt war, verschlang enorme Summen. Viele stellten ihre Großzügigkeit mit beeindruckenden Spenden zur Schau.

Anstatt diese Haltung zu loben, fordert Jesus seine Jünger auf, die Geste einer Witwe in Not nachzuahmen, die bescheiden eine winzige Spende gibt, die jedoch alles war, was sie zum Leben hatte.

Leider ist die Zurschaustellung von Großzügigkeit in unseren christlichen Gemeinschaften immer noch weit verbreitet. Man opfert zwar, aber man ist sehr empfindlich, wenn man seinen Namen auf der Liste der Wohltäter sieht. Kehren wir zur Logik des Evangeliums zurück: Seien wir großzügig, ja, aber Gott allein weiß es.

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