Im Herzen des südlichen Malawi, wo die Shire Highlands sanft zum Great Rift Valley hin abfallen, bietet das Comboni Technical College (CTC) in Lunzu vielen jungen Menschen Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
Seit Jahrzehnten ist das Bildungsziel in Malawi einfach: einen Bürojob zu haben, eine Krawatte zu tragen und am Schreibtisch zu sitzen. Da sich jedoch der Fokus der Weltwirtschaft verlagert, hat diese engstirnige Sichtweise zu einem Fachkräftemangel geführt, wodurch Tausende von Absolventen arbeitslos sind, während die Infrastruktur des Landes händeringend nach Bauarbeitern verlangt. Das von den Comboni-Missionaren gegründete und geleitete Comboni Technical College basiert auf der Überzeugung, dass körperliche Arbeit eine Form des Gebets und ein Weg zur Freiheit ist. Indem es handwerkliche Berufe zu einer professionellen Kunstform erhebt, verändert das College kulturelle Einstellungen. Hier ist der Beruf des Tischlers, Schweißers oder Elektrikers kein Notbehelf, sondern ein strategischer Weg, um in die Privatwirtschaft einzusteigen.
Der Erfolg des CTC bei der Förderung der Selbstständigkeit ist kein Zufall. Er basiert auf einem zweigleisigen Ansatz, der es den Studierenden ermöglichen soll, ihr Wissen zur Schaffung von Arbeitsplätzen als Unternehmer einzusetzen. Dabei ist der erste Ansatz die gründliche Beherrschung der technischen Fertigkeiten. Die Studierenden lernen nicht nur, Dinge zu „reparieren“, sondern sie studieren die ihnen zugrunde liegenden Prinzipien. Zu den Fächern gehören Elektroinstallation und Elektronik, Schneiderei und Modedesign, Tischlerei und Schreinerei, Fertigung, Schweißen und allgemeine Montage. Der Schwerpunkt liegt auf der Erbringung von Leistungen auf internationalem Niveau. Der zweite Punkt ist die unternehmerische Denkweise. Jedem Schüler wird vermittelt, dass er Teil eines Unternehmens ist. Der umfangreiche Lehrplan für die technische, unternehmerische und berufliche Bildung (TEVET) umfasst praktische Module, die junge Menschen auf das Berufsleben vorbereiten. Der wahre Wert des Comboni Technical College zeigt sich im Leben derjenigen, die nicht mehr auf einen Gehaltsscheck warten, sondern sich ihren eigenen verdienen.
Jane Phiri schrieb sich für den Studiengang „Elektroinstallation“ ein, als seine Familie Mühe hatte, sich das Nötigste zu leisten. „Ich dachte, ich müsste nach Blantyre ziehen, um einen Job zu finden“, sagt er. Stattdessen fiel ihm jedoch der Mangel an zuverlässiger Stromversorgung in seinem Heimatdorf auf. „Am CTC habe ich gelernt, dass meine Hände mein größtes Kapital sind. Ich habe damit angefangen, kleine Häuser zu verkabeln und Solaranlagen für Bauern zu installieren. Heute habe ich zwei Auszubildende, die bei mir arbeiten. Ich suche keinen Job; ich biete ihnen einen an.“
Grace stach in der Kfz-Mechanikerwerkstatt hervor, einem von Männern dominierten Bereich. Heute betreibt sie einen mobilen Reparaturdienst. „Die Leute sind überrascht, wenn sie eine Frau unter der Motorhaube ihres Lastwagens sehen“, sagt sie. „Dem Motor ist es jedoch egal, welches Geschlecht man hat; ihm kommt es auf das Können an. Lunzu hat mir das Selbstvertrauen gegeben, auf eigenen Beinen zu stehen. Ich bin selbstständig, unabhängig und baue mir meine eigene Werkstatt auf.“
Die Arbeit menschlicher Hände ist Malawis nachhaltigste Ressource. Am Comboni Technical College bringen wir den Studierenden nicht nur bei, wie man seinen Lebensunterhalt verdient, sondern auch, wie man etwas bewirken kann. In Lunzu gehört das Konzept des „arbeitslosen Absolventen“ zunehmend der Vergangenheit an. An seine Stelle tritt eine neue Generation selbstständiger, qualifizierter und stolzer Unternehmer. Sie sind der Beweis. Sie sind die Zukunft.
