Pater Antonio La Braca: Nur mit einem Rucksack unterwegs

Pater Antonio La Braca: Nur mit einem Rucksack unterwegs

Pater Antonio La Braca ist ein italienischer Comboni-Missionar. 1972 brach er zum ersten Mal nach Afrika auf und übt dort seitdem seinen missionarischen Dienst aus. Er war vor allem in Uganda und im Südsudan tätig, wo er noch heute lebt. In diesem Jahr feiert er das 60-jährige Jubiläum seiner Priesterweihe.

Pater Antonio wurde in einem kleinen Dorf in Süditalien geboren, umgeben von Maisfeldern. Es war ein Tag im Mai, als der damals zehnjährige Antonio mit einem Freund die von Blumen gesäumten Wege entlanglief. Unvermittelt schlug Antonio seinem Freund vor: „Lass uns ein paar Blumen pflücken und sie der Madonna bringen.“ Am Rande des Dorfes hatten die Comboni-Missionare einen kleinen Schrein errichtet, der der Muttergottes aller Gnaden geweiht war. Sie pflückten einige rote Tulpen und betraten gemeinsam die leere Kirche. Sie gingen zur Statue der Jungfrau Maria, legten die Blumen nieder und dann, ohne besonderen Grund, drehten sie sich um und rannten zur Tür hinaus, aus Angst, man könnte sie für Diebe halten.

Antonio erinnert sich: „Da hörte ich eine geheimnisvolle Stimme, die zu mir sagte: ‚Hey, Antonio, du hast der Madonna Blumen gebracht, und jetzt rennst du wie ein Dieb aus der Kirche weg?‘ Ich blieb stehen, obwohl mein Freund schon draußen war. Ich drehte mich um und schaute auf die Statue der Madonna, die mir zu sagen schien: ‚Halte einen Moment inne, bete, sag etwas.‘ Also kehrte ich zur vordersten Kirchenbank zurück, kniete mich hin, legte mein Gesicht in meine Hände und schaute zur Muttergottes, während ich überlegte, was ich zu ihr sagen sollte.“ Antonio fährt fort: „Da dachte ich: ‚Mutter, Priester zu sein ist eine Gabe, aber ich habe Angst, ich habe noch nie darüber nachgedacht, gib mir ein Zeichen‘, und ich rannte nach draußen. Ich besuchte eine von Nonnen geführte Schule. Eines Tages, nach der Messe, wollte der Rektor, ein Comboni-Missionar, mit mir sprechen. Ich ging zu ihm, und er fragte mich, ob ich Missionar werden wolle. Seine Freundlichkeit, seine Gelassenheit und seine Sanftmut beeindruckten mich sehr. Er war ein glücklicher Mann; er erzählte mir von Afrika und den Missionaren und gab mir Missionszeitschriften, die ich gerne las. Irgendwann verspürte ich den Drang, an den Treffen für junge Menschen teilzunehmen, die über einen Eintritt ins Priesterseminar nachdachten. Meine Mutter stimmte zu, obwohl sie nicht gläubig war. Mein Vater hingegen wollte davon nichts wissen. Erst mit der Zeit willigte er ein. Diese Begebenheiten mit den Tulpen und das Zeugnis des ersten Comboni-Missionars trugen zu meiner Entscheidung bei. Wären diese Elemente nicht gewesen, hätte ich vielleicht einen anderen Weg eingeschlagen.“ Wenn Pater Antonio an diese Momente zurückdenkt, lächelt er. Ein Ausdruck der Gelassenheit liegt auf seinem Gesicht.

Endlich in Afrika

Er kam 1972 in Kampala an und reiste nach einigen Tagen weiter nach Norden in die Region Karamoja. Pater Antonio berichtet: „Wir kamen in der Mission an, wo ich zwei Priester traf, von denen ich schon gehört hatte: Pater Tupone, einen großartigen und heiligen Mann, und Pater Crazzolara, der Grammatikbücher für die Karimojong-Sprache vorbereitete, die ich später lernen sollte. Die Missionare beeindruckten mich. Sie waren schon älter, aber voller Begeisterung. Bruder Zanetti, ebenfalls schon älter, war ebenfalls dort und erzählte begeistert von seinen Bananen-, Mango- und Ananasplantagen. Ich fühlte mich bei ihnen zu Hause, respektierte und bewunderte sie sehr.“

Im Laufe der Tage spürte Pater Antonio, dass es an der Zeit war, in seinem missionarischen Zeugnis einen Schritt weiterzugehen. Er wurde der Naoi-Mission am Rande von Moroto zugewiesen. Und dort begann er, das Afrika zu spüren, von dem er geträumt hatte. Für den jungen Missionar bedeutet Evangelisierung, an Orte zu gehen, an denen Jesus nicht bekannt ist; es bedeutet, das Bedürfnis zu wecken, den wahren Gott kennenzulernen. Missionar zu sein bedeutet, den Menschen zu helfen, die Schönheit des Evangeliums zu verstehen und Christus zu lieben. Er erklärt: „Ich habe den persönlichen Kontakt und häufige Besuche in den Dörfern immer geschätzt. Meine Hauptmethode bestand darin, gemeinsam mit den Katecheten Besuche ‚von Dorf zu Dorf‘ zu organisieren. Aber damals haben wir keinen Katechismus unterrichtet. Wir haben einfach das Evangelium verkündet. Ich nahm meinem Rucksack, packte etwas zu essen ein und machte mich auf den Weg zu den Besuchen. Ich zählte sogar die Brotscheiben, damit für jeden Tag genug da war. Die Rechnung ging immer auf. Ich kochte nichts, Brot und Wasser reichten mir. Ich versuchte, in ihnen einen Geist der Gastfreundschaft gegenüber dem Pfarrer zu wecken, der sie besuchte und ihnen diente.“

Es gab schwierige und dramatische Momente. Pater Antonio berichtet von einem Vorfall, der sich während eines Besuchs ereignete: „Wir waren in einem Auto unterwegs, das von einem meiner Mitbrüder gefahren wurde, als wir in einen Wald kamen und Schüsse in unsere Richtung fielen. Auf meiner weißen Soutane waren große Blutflecken. Mein Begleiter war mit Blut bespritzt. Ich spürte, wie mein Arm kalt wurde. Als mir klar wurde, dass ich getroffen worden war, versuchte ich, die Blutung zu stillen: Die Kugel hatte meine Schulter und meine Brust durchschlagen. Wir fuhren zum Haus der Comboni-Missionare und dann ins Krankenhaus. Mein Mitbruder, Pater Giuseppe Ambrosoli, der inzwischen selig gesprochen wurde, kam hinzu. Er half mir und hat mir vielleicht das Leben gerettet.“ Pater Antonio erzählt von einem weiteren Vorfall: „Die Guerillakämpfer hatten in der Nähe eines Dorfes einen Soldaten getötet. Am nächsten Tag rückten die Soldaten an, steckten das Dorf in Brand und erschossen Menschen. Der Katechet warnte mich, und ich rannte zum Dorf. Ich hörte einige Schüsse, wusste aber, dass sie nicht auf mich gerichtet waren. Ich ging zum Dorfvorsteher und flehte ihn an, das Massaker zu beenden. Er sagte zu mir: ‚Toni, du solltest nicht hier sein, das ist nicht dein Krieg, geh!‘ Nach einer Weile beruhigte er sich und verkündete, die Operation sei beendet. Gott sei Dank. Seitdem war ich ein paar Mal in Lebensgefahr, wurde aber nie wieder verletzt.“

Auf die Frage, wie er die Zukunft der Kirche in Afrika sieht, antwortet er: „Ich bin überzeugt, dass die katholische Kirche immer missionarisch sein wird. Ich glaube auch, dass es immer noch Orte gibt, an denen Missionare gebraucht werden, um Jesus zu verkünden. Früher, als wir von den Missionen sprachen, dachten wir an Afrika oder Lateinamerika, aber heute gibt es sie überall. Es wird immer Orte und Situationen geben, die Papst Johannes Paul II. als *neue Areopage* bezeichnet hat, an denen Missionare und der missionarische Geist gebraucht werden.“

Abschließend fügt Pater Antonio hinzu: „Ich bin derzeit im Südsudan, bei den Nuer. Was mich hier immer wieder erstaunt, ist ihre uneingeschränkte Hingabe an Gott. Sie haben den festen Glauben, dass Gott sich um alles kümmern wird, was auch immer geschieht. Oft wiederholen sie: ‚Gott existiert, Gott weiß, Gott sieht, Gott wird helfen.‘ Das Zweite ist die Gastfreundschaft. Die Menschen scheuen keine Mühen, um alle Neuankömmlinge willkommen zu heißen. Wenn ich die Dörfer besuche, heißen mich die Bewohner in ihren Hütten willkommen, geben mir zu essen und tragen sogar meinen Rucksack. Sie vermitteln mir nie den Eindruck, dass ich ihnen zur Last falle. Das ist Gastfreundschaft. Das ist das Wesen und der Sinn des Gemeinschaftslebens. Die Menschen freuen sich über die kleinen Dinge.“

Br. Jacek Pomykacz, mccj

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