Ausgepowert (13. So. i. J. – Lk 9, 51-62)

Jesus Christus sagte, er sei noch nie bei einem Fußballmatch gewesen. Also nahmen meine Freunde und ich ihn zu einem Spiel mit. Es war eine wilde Schlacht zwischen den protestantischen Boxern und den katholischen Kreuzfahrern.

Die Kreuzritter erzielten das erste Tor. Jesus schrie laut Beifall und warf seinen Hut in die Luft. Dann waren die Boxer vorne. Und Jesus spendete wild Beifall und warf seinen Hut in die Luft. Das schien den Mann hinter uns zu verwirren. Er klopfte Jesus auf die Schulter und fragte: „Für welche Partei brüllen Sie, guter Mann?“

„Ich“, erwiderte Jesus, den mittlerweile das Spiel sichtlich aufregte, „oh, ich brülle für keine Partei. Ich bin bloß hier, um das Spiel zu genießen.“ Der Fragende wandte sich seinem Nachbarn zu und feixte. „Hm, ein Atheist!“

Auf dem Rückweg klärten wir Jesus über die Lage der Religionen in der heutigen Welt auf. „Fromme Leute sind ein komisches Volk, Herr“, sagten wir, „sie scheinen immer zu denken, Gott sei auf ihrer Seite und gegen die Leute von der anderen Partei.“ Jesus stimmte zu. „Deswegen setze ich nie auf Religionen, ich setze auf Menschen“, sagte er. „Menschen sind wichtiger als der Sabbat.“

„Du solltest deine Worte wägen“, sagte einer von uns etwas besorgt. „Du bist schon mal wegen einer solchen Sache gekreuzigt worden.“ – „Ja – und von religiösen Leuten“, sagte Jesus mit gequältem Lächeln.

Anthony de Mello

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