Der Unterschied zwischen Hören und Zuhören

„Ihre Geschichten zu hören, sie persönlich auf ihrem Weg zu begleiten und ihr Leben zu teilen, hat mich zu einem besseren Menschen und einer besseren Ordensschwester gemacht“, sagt Schwester Silvia Vargas, eine Comboni-Missionarin aus Ecuador, über ihre Erfahrungen im missionarischen Einsatz.

Ich wurde in Guayaquil (Ecuador) geboren und fühlte schon früh den Wunsch, Menschen beizustehen und denen, die Hilfe brauchen, unter die Arme zu greifen, aber ich hatte keine Vorstellung, wie. Meine Schulausbildung, meine Arbeit und ein Freund beschäftigten mich eine Zeit lang. Als ich achtzehn Jahre alt war und mich auf das Sakrament der Firmung vorbereitete, hatte ich eine Erfahrung mit Jesus, in der ich spürte, dass er mich liebt, unterstützt und mir vergibt. Diese anfänglichen Gefühle reichten aus, um einige Jahre lang in meiner Gemeinde als Katechetin mitzuarbeiten.

Dank eines Freundes in der Pfarrei, der mich zur Teilnahme an einer Jugendkonferenz ermutigte, die von einer Comboni-Schwester in Quito organisiert wurde, besuchte ich das dreitägige Treffen, und dort wurde mir der Ruf zur Mission klar. Der Kontakt mit den Comboni-Schwestern in Guayaquil wurde hergestellt, ich engagierte mich in der missionarischen Jugendbewegung und erlebte einen Teil Ecuadors, den ich vorher nicht gekannt hatte. Ich entdeckte die Peripherie meiner eigenen Stadt, wo Männer und Frauen sich von allen verlassen fühlten und wo Arbeitslosigkeit, mangelnde Bildung, Ungerechtigkeit und Rassismus allgegenwärtig waren. An diesem Punkt in meinem Leben verspürte ich das Bedürfnis, den Ruf zur Mission ernster zu nehmen. Anfangs war es nicht leicht, da meine Eltern diese Idee nicht befürworteten. Trotzdem ließ ich mich nicht entmutigen und nahm weiterhin an Missionstreffen mit anderen Jugendlichen teil, die ebenfalls dieselben Zweifel und Träume hatten. Nach anderthalb Jahren als Anwärterin und einer sechsmonatigen Grundausbildung machte ich als Postulantin weiter und absolvierte dann das zweijährige Noviziat. Am 15. August 2010 legte ich in Ecuador meine ersten Ordensgelübde ab.

Mein erster Missionseinsatz führte mich in die Vereinigten Staaten von Amerika, wo ich im Dezember 2010 ankam. Während der sechs Jahre Aufenthalt im Land tat ich Dienst unter der hispanischen Bevölkerung und Flüchtlingen aus aller Welt. Mir fiel es nicht schwer, weit weg von meiner Familie zu sein, da ich die Entscheidung getroffen hatte, mein Zuhause zu verlassen und mich Gott und der Mission zu weihen. Aber für die Familien, mit denen ich arbeitete, sah die Wirklichkeit anders aus. Die meisten von ihnen waren auf der Flucht vor Krieg, Gewalt und Armut in ihren Heimatländern. Die Situation wird noch erschwert durch die Tatsache, dass sie die Familienmitglieder, die sie zurückgelassen haben, vielleicht nie wiedersehen werden. Ihre Geschichten zu hören, sie persönlich zu begleiten und das Leben mit diesen Familien zu teilen, hat mich zu einem besseren Menschen und einer besseren Ordensschwester gemacht.

Im Jahr 2016 wurde ich in die Mission „Pueblo Libre“ in Lima (Peru) versetzt. Hier hatte ich die Gelegenheit, an der Ausbildung von Gemeindeleitern mitzuwirken, als Sozialarbeiterin mit Familien zu arbeiten und die missionarische Bewusstseinsbildung zu unterstützen. In der kurzen Zeit, die ich dort war, konnte ich Beziehungen zu den Familien und den Katechisten aufbauen.

Am 2. Februar 2019 legte ich in meiner Heimatgemeinde in Guayaquil meine ewigen Gelübde als Ordensschwester ab. Die Zeremonie war geprägt von der Einfachheit meines Volkes und der Wertschätzung und Zuneigung derer, die mich kennen. Die Liebe und Unterstützung meiner Eltern und des Rests meiner Familie erfüllte mein Herz mit Freude.

All das hat mir geholfen, meine Angst vor dem Unbekannten und vor dem, worüber ich keine Kontrolle habe, zu verringern. Oft glauben die Leute, dass Missionare keine Angst haben, aber wir sind aus Fleisch und Blut, wir haben unsere Grenzen und glauben und vertrauen darauf, dass Gott uns an der Hand führt, und das gibt uns den Mut und die Kraft, die wir brauchen, um weiterzumachen.

Nachdem ich mein Ordensgelübde vor meiner Familie und meinen Freunden abgelegt hatte, fühlte ich mich beseelt und voller Hoffnung für meinen neuen Missionsauftrag in Afrika. Inzwischen bin ich in Sambia angekommen, und nach und nach gewöhne ich mich an die Menschen und die Kultur. Die Unschuld und das Lächeln der Kinder, das Temperament und die tägliche Kraft der sambischen Frauen und die Hingabe der sambischen Männer, um ihren Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen, sind allesamt Hoffnungsschimmer, die mich beseelen und mir bei meinem Auftrag helfen.

Comboni Missionaries‘ Team

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