Ehrendoktorwürde für Kardinal Miguel Angel Ayuso Guixot

Ehrendoktorwürde für Kardinal Miguel Angel Ayuso Guixot

Am 13. Februar erhielt der Comboni-Missionar Kardinal Miguel Angel Ayuso Guixot (Bildmitte), Präsident des vatikanischen Dikasteriums für den interreligiösen Dialog, zusammen mit zwei sunnitischen islamischen Gesitlichen die Ehrendoktorwürde der Sunan Kalijaga State Islamic University in Yogyakarta (Indonesien). Bei dieser Gelegenheit bekräftigte Kardinal Ayuso die Stärke der Religionen bei der „Heilung der Wunden der zerbrechlichen Welt und dem Bau von Brücken zwischen den Unterschieden“. [Vatikan Nachrichten].

Religionen im Dialog, um die Wunden einer zerbrechlichen Welt zu heilen

Jeder Zusammenarbeit zwischen Gläubigen verschiedener Religionen „liegt die Wurzel unserer gemeinsamen Menschlichkeit zugrunde. Im Dialog fangen wir nicht bei Null an, sondern er schafft die notwendige Grundlage für den Kontakt“. Dies sagte Kardinal Miguel Ángel Ayuso Guixot in Indonesien. In dem bevölkerungsreichsten muslimischen Land der Welt erhielt der Präsident des Dikasteriums für den interreligiösen Dialog die Ehrendoktorwürde der Universitas Islam Negeri ‚Sunan Kalija-ga‘ in Yogyakarta, zusammen mit Yahya Cholil Staquf, dem Präsidenten der Nahdlatul Ulama (NU), und Sudibyo Markus, dem ehemaligen Präsidenten der Muhammadiyah, beides wichtige sunnitische islamische Organisationen in dem asiatischen Land.

Der Kardinal unterstrich die Bedeutung der Mitverantwortung der Religionen bei der Zusammenarbeit für das Gemeinwohl und wies darauf hin, dass „wir heute in pluralistischen Gesellschaften leben, die leider einerseits durch immer mehr Konflikte zwischen religiösen, nationalen und ethnischen Gruppen und andererseits durch die Diskriminierung von Einzelpersonen und verwundbaren Menschen geprägt sind“. Eine zerrissene Welt, fuhr er fort, gespalten „aufgrund von Aggressionen, die durch den Wunsch verursacht werden, mehr Macht und Einfluss über andere zu gewinnen“. Hinzu komme die globale Gesundheitskrise, die durch die Covid-19-Pandemie ausgelöst wurde. Und bei all dem sei es „schmerzlich und beängstigend zu sehen, wie religiöse Identitäten instrumentalisiert werden, sogar politisch, was zu einer tieferen Polarisierung innerhalb der Gesellschaften führt. Es werden Mauern errichtet, die trennen, anstatt Brücken zu bauen, die verbinden, damit ein friedlicheres und harmonischeres Zusammenleben möglich wird“, kommentierte er.

Auf diesem Hintergrund betonte der spanische Kardinal die Bedeutung der Religionen für die Heilung der Wunden einer zerbrechlichen Welt und den Bau von Brücken zwischen den Unterschieden, wie es die katholische Kirche seit sechzig Jahren durch die Förderung von Dialog und Zusammenarbeit auf der Grundlage von Wahrheit und Nächstenliebe tut. Außerdem, so Ayuso, „hat Papst Franziskus bei verschiedenen Gelegenheiten bekräftigt, dass die Religionen nicht das Problem, sondern Teil der Lösung sein sollten“. Der vom Zweiten Vatikanischen Konzil geforderte Frieden und die Eintracht zwischen den Gläubigen stehen im Mittelpunkt der Überlegungen und Handlungen des Papstes, der seit Beginn seines Pontifikats die Beziehungen zwischen den Angehörigen der verschiedenen Religionen betont und den Wert von Freundschaft und Respekt hervorhebt.

Daher die Aufforderung des Kardinals, „den drohenden Zusammenprall der Zivilisationen in einen Dialog der Zivilisationen zu verwandeln“, in dem alle Religionsgemeinschaften aufgerufen sind, „die authentischen Traditionen wiederzubeleben, um in einem Klima des Verständnisses und des Respekts miteinander umzugehen und zusammenzuarbeiten“. Kurz gesagt, es geht um „die Verantwortung, Gesellschaften gemeinsam aufzubauen, anstatt sie zu beherrschen; die Rechte jedes Menschen gemeinsam und ohne Diskriminierung zu verteidigen; und die Unantastbarkeit der Menschenwürde zu schützen, damit alle gedeihen können, anstatt Energie darauf zu verschwenden, miteinander um bestimmte Interessen zu konkurrieren“.

Kardinal Ayuso erinnerte daran, dass er als Comboni-Missionar die Chrysianer-Gemeinschaft unter den Muslimen im Niltal zwischen Ägypten und dem Sudan begleitete und dann sechs Jahre lang das Päpstliche Institut für Arabische und Islamische Studien (Pisai) leitete, bevor er in den Vatikan kam, und brachte seine Wertschätzung für das islamische Konzept der „wasaţiyyah“ zum Ausdruck, das normalerweise mit „Mittelweg“ oder „Mäßigung“ übersetzt wird. „In den letzten Jahren hat sich diese moralische Tugend angesichts des zunehmenden religiösen Fundamentalismus und Extremismus als wichtiges Element des gemäßigten Islams erwiesen“, erklärte er, insbesondere wenn es um die Förderung des Gemeinwohls und der sozialen Gerechtigkeit geht. Auch die indonesische Staatsphilosophie, die „Pancasila“, die „dieses riesige Land, das mit so vielen verschiedenen Kulturen, Ethnien und Religionen gesegnet ist, zusammenhält“ und Sunan Kalijaga (1460-1513), nach dem die Universität benannt ist, wurden gewürdigt. Er war einer der neun javanischen muslimischen Heiligen, die durch ihre Predigten den Islam erfolgreich in die indonesische Kultur einführten. Denn, so betonte Ayuso: „Um eine funktionierende und dauerhafte multireligiöse Nation zu bilden, müssen wir unsere religiösen Unterschiede nicht nur akzeptieren, sondern sie auch bejahen. Wir müssen die Tatsache, dass unsere Nachbarn verschiedenen religiösen Traditionen folgen, nicht nur akzeptieren, sondern uns darüber freuen, dass sie es tun. Wir müssen ihre religiöse Identität nicht nur als eine Tatsache, sondern auch als eine Bereicherung für das Leben der Gesellschaft begreifen. Jeder von ihnen ist zu hundert Prozent Bürger und zu hundert Prozent gläubig, wie der erste katholische Erzbischof dieser Region, Albert Soegijapranata, gesagt hatte, der seine Gläubigen aufgerufen hatte, sich für den Wiederaufbau des Landes nach der langen niederländischen Kolonialisierung einzusetzen. „Wenn wir Mitbürger derer sein wollen, die unsere Religion nicht teilen, müssen wir ehrlich anerkennen, dass ihre Religionen genauso wichtig sind wie unsere.“

L’Osservatore Romano

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