Pater Alois Eder: Auf drei Kontinenten und in fünf Ländern

Pater Alois Eder: Auf drei Kontinenten und in fünf Ländern

Pater Alois Eder aus Uttenheim im Tauferer Tal hat in Spanien, Südafrika, als Generalassistent und Generalsekretär in Rom, auf den Philippinen, in Südtirol und in Deutschland verschiedene verantwortungsvolle Aufgaben übernommen. Er blickt dankbar auf ein erfülltes Leben und Wirken als Comboni-Missionar zurück. Im Juni durfte Pater Alois Eder sein 65-jähriges Priesterjubiläum begehen. Heute feiert er seinen 90. Geburtstag. Dazu unsere herzlichen Glück- und Segenswünsche!

Nach Abschluss meines Theologiestudiums und erst nach meiner Priesterweihe in Brixen hatte ich mich 1959 den Comboni-Missionaren angeschlossen. Mein erstes Einsatzland war Spanien, wo wir in der Provinz Palencia gerade ein Seminar für die Ausbildung von Missionaren für Südamerika eröffnet hatten. Es war eine Zeit der großen Aufbruchsstimmung, der vollen Seminare und der zahlreichen Missionsberufe. Nacheinander wurden mir hier als Lehrer, Erzieher und geistlicher Begleiter der Studenten und schließlich als Novizenmeister verschiedene Aufgaben anvertraut: Es war eine äußerst schöne und bereichernde Zeit, weil es mir gelungen war, mich in Spanien voll und ganz auf Land und Leute einzulassen.

Als ich endlich nach dreizehn Jahren die Sendung in die Mission erhielt, wurde ich für Südafrika bestimmt, obwohl es immer mein Wunsch gewesen war, als Missionar einmal in Peru arbeiten zu dürfen. Der Einsatz in diesem Land der Rassentrennung, die damals noch in „voller Blüte“ stand, bedeutete für mich eine gewaltige Umstellung. Es galt nun mit zwei neuen Kulturen, mit der des Zulu-Stammes und der  englisch sprechenden weißen Bevölkerung, vertraut zu werden. Dazu kamen noch achtzig portugiesische Familien, die sich nach dem Zusammenbruch der Kolonialherrschaft im Nachbarland Mosambik als Flüchtlinge in unserer Pfarrei niedergelassen hatten.

Ich konnte mich nun endlich voll der Seelsorge widmen, die hier keine leichte Arbeit war. An manchen Sonntagen feierte ich die heilige Messe in drei verschiedenen Sprachen und für drei kulturell sehr unterschiedliche Gruppen. Als ich sprachlich dann gut zurechtkam, wurde ich zum Provinzial gewählt, musste der direkten Seelsorge wieder Lebewohl sagen und meinen Aufenthaltsort wechseln. Doch es sollte noch „dicker“ kommen. Auf dem Kapitel von 1979 wurde ich in den Generalrat der Comboni-Missionare gewählt und zusätzlich zum Generalvikar mit Sitz in Rom ernannt. Ich kam mir vor wie einer, der als Bürgermeister einer kleinen Landgemeinde – plötzlich und ohne lange gefragt oder in seine Aufgabe eingeführt zu werden- zum Bürgermeister einer Großstadt gewählt wird. Ich stand buchstäblich wie „der Ochs vor dem Berg“. Nach der spanischen und afrikanischen Welt hieß es nun, sich in Italien und Rom einzuleben. Vor allem musste ich mich mit der weltweiten Struktur und Wirklichkeit einer internationalen Missionskongregation zurechtfinden.

Durch meine Besuche in den verschiedenen Missionsgebieten gewann ich nun einen direkten Einblick in das Leben und Wirken, in die Arbeitsweise und in die Probleme unserer Missionare. Es waren sechs herausfordernde Jahre, in denen ich auch schwierige Entscheidungen treffen und mittragen musste. Nach sechs Jahren im Generalrat wurde ich dann zum Generalsekretär der Kongregation in Rom ernannt. In der vorausgehenden Erfahrung in der Generalleitung hatte ich bereits einen guten Überblick über die Kongregation und ihre weltumspannende Mission gewonnen, was mir jetzt in meiner neuen Aufgabe sehr behilflich war. Nun liefen alle wichtigen Informationen über mein Büro. Ich hatte Protokolle zu erstellen und alle Nachrichten von Mitbrüdern für das Archiv aufzuzeichnen. Ich kam mit vielen Mitbrüdern in Kontakt und gewann allmählich einen Einblick in die Kongregation und ihre Mission und einen Überblick über unser „Personal“, über all unsere Missionare, die ich in ihrer ganzen Verschiedenheit als einen großen Schatz erachte. Unsere internationale Gemeinschaft ist so wirklich „mein Haus und meine Familie“ geworden, die ich liebe und sehr gut kenne und für die ich immer noch gerne arbeite. Doch nach dreizehn langen Jahren in Rom kam wieder die Zeit, die Koffer zu packen und für eine neue Aufgabe bereit zu sein.

Mein Plan war es nach Südafrika zurückzukehren, um dort meine Missionsarbeit wieder aufzunehmen. Aber es sollte nicht so kommen. „Der Mensch denkt und Gott lenkt“ – und auch die Oberen haben manchmal ganz andere Pläne. Ich wurde gebeten, ganz anderswohin zu gehen: nach Asien, und zwar auf die Philippinen. 1988 hatten die Comboni-Missionare dort ein Seminar eröffnet, eine Missionszeitschrift gegründet und mit der Berufungspastoral begonnen. Ich sollte in Manila für die jungen Männer, die sich für die Ausbildung in unsere Gemeinschaft meldeten, das Amt des zweiten Novizenmeisters übernehmen. Das war erneut ein „dicker Brocken“, den ich wie manch andere vorher jetzt zu schlucken hatte. Es war einmal mehr eine große Herausforderung: Ein anderer Erdteil, ein ganz neues Land mit einer anderen Kultur und zum Teil auch mit einer neuen Sprache und mit einem sehr feuchtheißen Klima. Aber siehe da! Auch hier fühlte ich mich bald sehr wohl und zuhause.

Inzwischen war ich 65 Jahre alt geworden. Es war also auch einmal an der Zeit, in der eigenen Südtiroler Heimat eine Aufgabe zu übernehmen. Ich wurde zum Rektor unseres Missionshauses Milland ernannt und war von dort aus drei Jahre als Wochenendkooperator von Sterzing tätig und für eine kurze Periode auch als Pfarradministrator in St. Andrä bei Brixen. Durch viele Aushilfen und Missionspredigten in den Pfarreien konnte ich endlich auch meine engere Heimat gründlich kennenlernen. Es war eine interessante Zeit, aber – zu meiner Überraschung- noch nicht das Ende meiner Laufbahn. Denn 2007 erhielt ich wieder einmal einen Anruf aus unserem Generalat in Rom. Ich wurde gefragt, ob ich noch einmal bereit wäre, nach Rom aufzubrechen, um dem Generaloberen als Privatsekretär zur Seite zu stehen. Mit dem hatte ich also wirklich nicht mehr gerechnet. Weil ich aber aus meiner früheren Erfahrung wusste, worum es bei einem solchen Dienst geht, und mir das Leben im Generalat nicht fremd war, habe ich wieder einmal und gar nicht ungern zugesagt. Es war wie eine Rückkehr in eine alte Heimat, weil ich dort ja auch noch eine Anzahl von Mitbrüdern getroffen habe, die ich von meiner früheren Zeit in Rom gut kannte.

Meine Aufgabe bestand nun darin, jederzeit für den Generaloberen da zu sein und dessen vielseitige und vielsprachige Korrespondenz zu erledigen. Da kamen mir meine Sprachkenntnisse sehr zugute. Nachdem im Generalkapitel mit der Wahl eines neuen Generaloberen zu rechnen war, wurde meinem Wunsch nach einer Versetzung in die deutschsprachige Provinz stattgegeben. So gehöre ich nun seit Juli 2015 zur Gemeinschaft Ellwangen, in der ich mich aus vielen Gründen sehr wohl fühle. Ich lebe hier mit anderen vor allem älteren Missionaren in unserem Seniorenheim, in dem wir im Haus und außerhalb mit einer guten Betreuung und auch jederzeit mit schneller ärztlicher Hilfe rechnen dürfen. Hier ist nun sozusagen meine irdische Endstation nach einem langen, äußerst interessanten Lebensweg und vielerlei missionarischen Erfahrungen. Von hier aus geht es dann einmal in die ewige, himmlische Heimat. Der Herr hat mir ein langes und äußerst interessantes und abwechslungsreiches Leben geschenkt, für das ich ihm jeden Tag danke. Ich war auf drei Kontinenten und in fünf Ländern im Einsatz, habe mit fünf Generaloberen eng zusammengearbeitet oder ihnen gedient. Ich bin bis heute nie ernstlich krank gewesen und kann meinen Mitbrüdern bis heute noch zu Diensten sein.

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