Pater Eduardo Revolledo Villanueva: Von den Menschen das Missionar-Sein lernen

Der junge Comboni-Missionar Pater Eduardo Revolledo Villanueva kommt aus Lima (Peru). Er ist in Taiwan im Einsatz und erzählt von seiner Berufungsgeschichte und seinem missionarischen Dienst in Asien.

Wenn ich über meine Berufung sprechen soll, muss ich auf meine Erfahrungen in der Comboni-Gemeinde „Cristo Missionario del Padre“ am Rande von Lima (Peru) zurückblicken. Schon als Kind und Jugendlicher habe ich mit großer Begeisterung in den Gruppen der Ministranten, der Liturgie, der Katechese und der Jugend mitgewirkt. Ich bin überzeugt, dass meine Berufung zum missionarischen Ordensleben aus dem Kontakt mit den Comboni-Missionaren, denen ich dort begegnet bin, entstanden ist.

Ich war sehr beeindruckt von ihrem Lebenszeugnis und vor allem von ihrer Nähe zu den Menschen. Den Priestern haftete „der Geruch von Schafen“ an, wie Papst Franziskus es formuliert. Sie dienten den armen Menschen mit großer Hingabe und waren bestrebt, ein Zeichen für einen nahen Gott zu sein. Das hat meine Aufmerksamkeit erregt und mich motiviert, Missionar zu werden.

Ermutigt durch das Zeugnis der Comboni-Missionare begab ich mich auf einen Weg der Entscheidungsfindung, um zu erkennen, was Gott für mich wollte. Mit vielen Ängsten und Zweifeln, aber in der Überzeugung, dass Gott mich begleiten würde, trat ich 2008 in das Postulat der Comboni-Missionare ein, die erste Stufe der Ausbildung zum Ordensleben, und begann ein Philosophiestudium. Es war eine sehr positive Erfahrung, und ich konnte die Anliegen, die meine Berufung betrafen, mit jungen Peruanern und Chilenen teilen, die die gleichen Ideale hatten und Missionare werden wollten. Anschließend ging ich für fast zwei Jahre nach Mexiko, um meine Ausbildung fortzusetzen. Es war das erste Mal, dass ich mein Land verließ und eine internationale Erfahrung machte. In dieser Zeit bekräftigte ich meinen Wunsch, Jesus Christus nachzufolgen und mein Leben der Mission im Sinne des Charismas der Comboni-Missionare zu widmen. Daher legte ich 2014 meine ersten Ordensgelübde ab.

Zum Theologiestudium sandten mich meine Oberen nach Kenia. Fast vier Jahre verbrachte ich in dem ostafrikanischen Land. Auf einen anderen Kontinent zu gehen und neue Sprachen zu lernen, war zweifellos eine große Herausforderung. Für mich als Missionar war es notwendig, meinen Geist und mein Herz zu öffnen, meinen Willen und meine Entschlossenheit zu stärken, von den Menschen zu lernen und ihre Kultur und ihre Bräuche kennenzulernen. Der tägliche Austausch mit den Kenianern half mir, meine Berufung zum missionarischen Ordensleben zu bekräftigen.

Nach Abschluss meines Studiums in Kenia wurde ich nach Asien versetzt. Ich verbrachte das erste Jahr in Vietnam, um die Sprache zu lernen, und kam dann nach Taiwan, um Chinesisch zu lernen. Dort widmete ich mein Leben Gott und der Mission mit den ewigen Gelübden und der Diakonenweihe in der Comboni-Gemeinde, die wir am Rande der Hauptstadt Taipeh betreuen. Später kehrte ich nach Peru zurück, wo ich zum Priester für den Dienst am Volk Gottes geweiht wurde.

Zurzeit bin ich Pfarrer in einer Pfarrei am Rande der Stadt Taipeh (Taiwan), in der die Comboni-Missionare in leben. Es ist eine kleine Pfarrei, weil der Prozentsatz der Katholiken in der Region niedrig ist, aber die christliche Gemeinschaft ist lebendig und sehr enthusiastisch im Ausdruck ihres Glaubens. Die Pfarrei ist einzigartig, da sie vietnamesische Einwanderer und Menschen vom chinesischen Festland, aus Hongkong und Taiwan aufnimmt. Sie ist ein wirklich multikultureller Ort, an dem der Glaube der Treffpunkt und die Verbindung ist. In der Pfarrei nehmen wir verschiedene pastorale Aufgaben wahr, z. B. die Begleitung von Kinder- und Jugendgruppen, die Betreuung von Migranten, die Seelsorge für Einheimische, Familienbesuche und Bibelkurse. Da unsere Pfarrei jedoch direkt neben einem Heim für Leprakranke liegt, bieten wir unseren Dienst als Freiwillige an und kümmern uns liebevoll um sie, obwohl die meisten von ihnen keine Christen sind. Es ist eine wunderbare Gelegenheit zur interreligiösen Begegnung und zum Dialog mit unseren buddhistischen und taoistischen Brüdern und Schwestern.

Normalerweise neigen wir dazu zu denken, dass Missionare diejenigen sind, die die Menschen über Gott belehren. Wenn ich meine kurzen Erfahrungen in Vietnam und Taiwan betrachte, denke ich jedoch, dass das Gegenteil der Fall ist. Es sind die Menschen, denen ich begegne, die mir in ihrer Einfachheit das barmherzige Antlitz Gottes offenbaren. Sie sind es, die mich lehren, ein missionarischer Priester zu sein, indem sie mich ermutigen, ihnen nahe zu sein und Tag für Tag von ihnen zu lernen, indem sie mit mir ihre Kultur, ihren Glauben und ihre Erfahrungen mit unserem Gott teilen, der Liebe ist und in ihren Herzen gegenwärtig.

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