Pater Stefano Trevisan im Südsudan: Ringkämpfe als friedlicher Wettstreit

Pater Stefano Trevisan aus dem Gadertal berichtet uns aus seiner Mission im Volk der Dinka und erzählt von einer kulturellen Tradition, die in einem Land, das schon über Jahre unter den Schrecken von Stammeskriegen zu leiden hat, eine beliebte friedliche Sportart ist.

Seit Juni 2021 sind meine Tage als Missionar nun hineinverwoben in das Leben der Menschen in der Mapuordit-Mission in der Diözese Rumbek im Südsudan. Ich versuche, täglich ein Zeuge des Evangeliums zu sein, indem ich sowohl die Schwierigkeiten als auch die Momente der Freude mit den Leuten hier teile. Und dazu gehören auch alte traditionelle Feste, die ich miterleben darf: Die Trommelstöcke hüpfen energisch auf dem gespannten Fell des Schlagzeugs. Ihr Rhythmus gibt den Takt vor, während die Luft vom Klang eines großen Kuhhorns durchzogen wird. Es ist eine festliche Musik, die diese Wettkämpfe begleitet. Hier stehen sich die Herausforderer im Ringen unter freiem Himmel gegenüber, wo sich der Schweiß der Athleten mit Staub und Lehm vermischt.

Im Südsudan ist Ringen die beliebteste Sportart. In der Tat ist es mehr als nur ein Sport; es ist eine Gelegenheit für Tausende von Menschen, sich zu treffen und zu feiern. Die traditionellen Turniere finden in der Erntezeit statt und bieten konkurrierenden Dörfern und Gemeinschaften auch eine Plattform, um Konflikte auszutragen. Über den ganzen Südsudan verteilt gibt es eine reiche Tradition des Ringkampfes, der dem friedlichen Wettstreit und dem sozialen Austausch dient und nicht zuletzt auch einen Weg zur Heiratsvermittlung darstellt. Ringen wird im Südsudan von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen im Alter zwischen 16 und 35 Jahren ausgeübt. Die Turniere finden auf Ebene der Regionen und Provinzen und in kleineren Städten und Dörfern statt. Das nationale Turnier, an dem die stärksten Sportler teilnehmen, wird in der Hauptstadt Juba ausgetragen. Die Spiele sind ein Treffpunkt für die Bewohner der Dörfer, die zu Tausenden anreisen. Die Wettkämpfe finden in einer festlichen Atmosphäre statt. Mädchen singen und tanzen am Rand des Spielfeldes und feuern die Sportler an. Besonders schön finde ich es, wenn dann am Ende der Kämpfe die Kinder ab sechs Jahren nur so zum Spaß zu kämpfen beginnen und damit ihren Favoriten nacheifern. Am Ende der Wettkämpfe beginnen dann alle Zuschauer, vor allem die Jungen und Mädchen, im Kreis zu tanzen.

Im Südsudan geht es beim Ringen um mehr als nur um körperliche Stärke. Es genügt zu sagen, dass das nationale Turnier, das im April 2016 in Juba stattfand, das erste Zusammentreffen seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs im Jahr 2013 war und Mannschaften aus vier Staaten zusammenbrachte, die ein farbenfrohes Fest des Sports und der Kultur veranstalteten. Die Begeisterung für das Ringen hat in den letzten Jahren auch eine politische und diplomatische Dimension bekommen. Zum einen bemühen sich hohe Politiker, durch den Besuch der Wettkämpfe Volksnähe zu demonstrieren. Zum anderen nutzen internationale Geberorganisationen die integrative Kraft dieser Sportart für Friedenskampagnen. Hier in Mapuordit kommen die Ringer aus den so genannten „Viehlagern“, wo Hirten mit Tausenden von Kühen und Stieren leben. Die Wettbewerbe finden von September bis Dezember statt, und zwar jeden Freitag, Samstag und Sonntag. In dieser Zeit ist Erntezeit, und die Sportler können viel essen und viel Milch trinken, um sich für die Wettkämpfe zu stärken.

Die Tradition des Ringens war im Südsudan im Nebel der Zeit ein wenig untergegangen, lebt aber jetzt wieder von Neuem auf. Die Kämpfe sind in der Tat dem Stierkampf nachempfunden. Auch heute noch sind Stiere bei den Wettbewerben dabei. Während der Kämpfe werden nämlich riesige Stiere mit riesigen Hörnern vorgeführt. Hörner, die dann auch zu Musikinstrumenten wurden, um die Menschen in den Dörfern zu den Kämpfen zu locken und den Rhythmus der Wettkämpfe mit Trommelklängen zu untermalen.

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