Schwester Lilia Karina Navarrete Solís: Dem Leben einen Sinn geben

Die mexikanische Comboni-Schwester Lilia Karina Navarrete Solís berichtet über ihren Berufungs- und Missionsweg:

Als ich klein war, nahmen mich meine Mutter und meine Tante oft mit in eine Salesianer-Kapelle in der Nähe unseres Hauses. Ich sang im Chor mit, und eines Tages kam eine Frau und erzählte uns von einem afrikanischen Land, in dem damals Krieg herrschte. Als ich ihr zuhörte, dachte ich: „Ich würde gerne an einen solchen Ort gehen, an dem ich meinem Leben einen Sinn geben kann und für den es sich lohnt, alles zu verlassen.“

Als ich die Kirche verließ, gab mir die Frau ein Flugblatt der Comboni-Missionsschwestern mit einer Adresse auf der Rückseite. Ich war sehr jung und hatte nicht den Mut, sie nach weiteren Informationen zu fragen, aber ich nahm den Zettel mit und bewahrte ihn wie einen Schatz auf.

Mit der Zeit begann ich eine Ausbildung zur Krankenschwester und arbeitete, um die Familie finanziell zu unterstützen.

Eines Tages führte mich meine Arbeit seltsamerweise in eine Pfarrei, wo mir jemand ein weiteres Büchlein der Comboni-Schwestern gab. Das konnte kein Zufall sein. Also beschloss ich, mit den Missionarinnen Kontakt aufzunehmen. Von da an besuchte ich einmal im Monat die Berufungstreffen, und als ich meine Ausbilung beendet hatte, bat ich um Aufnahme in die Ordensgemeinschaft. Meine Mutter war mit meiner Entscheidung, Missionarin zu werden, nicht einverstanden, aber da die Ausbildung in Guadalajara stattfand und ich Jalisco nicht verlassen musste, war sie zufrieden. Ich vertiefte meine Beziehung zu Jesus und identifizierte mich sofort mit den Idealen des heiligen Daniel Comboni, dem Gründer der Comboni-Schwestern.

Am Ende dieses ersten Abschnitts wurde ich nach Brasilien geschickt, um meine Ausbildung fortzusetzen. Es war nicht das Afrika, das ich mir erträumt hatte, aber es war ein erster Schritt, dem Herrn außerhalb meines Landes zu dienen. Nach drei Jahren kehrte ich zu meiner Familie zurück, um „Ja“ zum Herrn zu sagen und mein Leben der Mission zu weihen. Meine Freude war noch größer, als ich nach Mosambik versetzt wurde. Und während mein Herz vor Freude überquoll, war das meiner Mutter voller Traurigkeit und sie begleitete mich mit gebrochenem Herzen, aber voller Liebe.

Ich dachte, ich sei bereit für eine Mission in Mosambik, aber ich merkte bald, dass es die Menschen waren, die mich lehren würden, wie man Missionarin wird.

Ich erinnere mich an eine Begegnung in Magunde, in der Provinz Sofala, die mein Leben veränderte. Eine Frau kam in die Entbindungsstation, in der ich als Krankenschwester arbeitete, und da es keine Ärzte gab, entband ich ihr Baby. Während sie sich ausruhte, bückte ich mich, um das Kind zu untersuchen. Sie sah das Kreuz, das ich trug, nahm es in die Hand und fragte mich: „Was ist das?“ Ich erinnere mich nicht mehr an meine Antwort, aber ich erinnere mich an meine Überraschung, dass sie Jesus Christus nicht kannte. Ich war bei ihr, als sie entband, und ich hatte das Gefühl, am richtigen Ort zu sein.

Während der Regenzeit versank unsere Mission im Schlamm, und es war für Fahrzeuge fast unmöglich, voranzukommen. Manchmal gingen unserem Gesundheitszentrum die Lebensmittel und Medikamente aus. Bei einer dieser Gelegenheiten, als uns alles fehlte und wir auch voll belegt waren, klopfte eine sehr kranke Frau an unsere Tür. Sie hatte eine Strecke von vierzig Kilometern zurückgelegt, um zu unserem Gesundheitszentrum zu gelangen. Ich erinnere mich, dass sie mir sehr aufmerksam zuhörte, als wir ihr erklärten, dass wir sie nicht heilen konnten, weil wir weder Essen noch Medikamente hatten. Nach einer Pause sagte: „Ich bin hierher gekommen, weil ich weiß, dass ihr mich mit offenen Armen empfangen werdet. Wenn ihr keine Medizin für mich habt, dann lasst mich wenigstens in eurer Gesellschaft sterben.“ Ich war sprachlos. Ich verstand, dass die Menschen nicht wegen dem, was wir über Gott sagten, zur Messe kamen, sondern wegen dem, was wir waren und was wir taten als Frauen, die sich dem Dienst an den Menschen geweiht hatten.

In der Gemeinde von Jambe lernte ich, was es heißt, Gott im Geist und in der Wahrheit anzubeten. Jambe liegt drei Kilometer von unserer Mission entfernt, und wenn ich konnte, nahm ich gerne an der sonntäglichen Wortgottesfeier teil. Es war ein kurzer Spaziergang durch die Felder und über einen kleinen Fluss. Die Christen versammelten sich im Schatten eines Baumes, an dem sie ein Kreuz aufhängten. Ich hatte noch nie einen solchen Hunger nach dem Wort Gottes verspürt. Was die Christen anzog, war die Begegnung mit Gott, das Hören auf sein Wort und das Teilen ihres Glaubens.

Fünf Jahre später musste ich Mosambik verlassen, um meinen Krankenpflegedienst in Italien fortzusetzen und alte und kranke Nonnen zu betreuen. Dort traf ich Schwestern, die alles verlassen hatten, um dem missionarischen Ideal zu folgen und ihr Leben fünfzig oder sechzig Jahre lang in vielen Teilen der Welt zu opfern. Während der Pandemie habe ich alles getan, um zu verhindern, dass das Virus in unser Haus eindringt, auch wenn es einige unserer Schwestern dahinraffte.

Seit letztem Jahr bin ich in Spanien, um in der Jugendarbeit und in der Missionarischen Bewusstseinsbildung zu arbeiten. Ich freue mich auch, dass ich diese Aufgabe als eine Fortsetzung von Gottes Wirken in mir sehe. Was als einfacher Wunsch begann, ist zu einer Entscheidung geworden, die meinem Leben einen Sinn gibt. Das „Ja“, das ich am Tag meiner Weihe als Comboni-Missionarin vor dem Herrn ausgesprochen habe, ist in mir weiterhin sehr lebendig. Ich habe mehr erhalten, als ich geben konnte.

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