Evangelium von heute

22. März, Dienstag der dritten Fastenwoche

Es gibt Leute, die einem ständig auf die Nerven gehen, die immer was auszusetzen haben und denen man nie etwas recht machen kann. Sollte es da nicht einmal genug sein mit dem Vergeben und Frieden stiften? Ich kann mir gut vorstellen, dass auch wir da gerne eine Grenze festlegen würden, wie der Petrus: soweit und kein Mal öfter! Ich lass mich doch nicht ausnutzen!

Jesu Antwort „Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal“  Scheint da geradezu eine Zumutung zu sein, in der Sprache der Zahlensymbolik damals heißt 77-mal unendlich mal, immer wieder – ohne zu zählen soll man seinem Bruder eine Chance geben!

Mit der Geschichte vom König und dem Diener will Jesus aber nicht nur diese Forderung untermauern, sondern uns vor allem helfen mit neuen Augen auf Schuld und Schuldner zu sehen. Im Streit klammern wir uns schnell an der Schuld fest und fordern – egal ob sie groß ist oder klein – Genugtuung und Bezahlung der Schuld. Der König aber in der Geschichte zeigt das göttliche Verhalten: Jesus will, dass wir vom Streitobjekt weg und auf den Schuldner hinschauen. Als der Diener nicht zahlen kann und um Mitleid bittet, erlässt er ihm die Schuld – und die ist keineswegs gering, sondern in diesem Beispiel etwa ein 17-faches mittleres Jahreseinkommen. Mit anderen Worten: Egal wie groß die Schuld auch sein mag, darauf schaut Gott nicht, sondern er schaut immer auf den Menschen, der in der Not zu ihm ruft, und setzt ihn frei, einfach weil er ihn darum bittet. Dieselbe Barmherzigkeit erwartet er aber dann auch von uns Menschen, wenn andere in Not zu uns schreien.

Die Hoffnung, dass Gott nicht auf die Schuld sieht, sondern barmherzig ist mit dem Menschen in der Not, motiviert in der ersten Lesung auch Asarja, der im Feuerofen sein Gebet an Gott richtet. Israel ist auf einem Tiefstpunkt angekommen. Und doch ist der Glaube des Juden Asarja unerschütterlich mitten in der Feuerhölle. Auch dort noch ruft er seinen Gott an um Hilfe. Und er bekennt sich zu den Verfehlungen und Irrwegen, den Sünden, seines Volkes. Aber er glaubt an die unaufgebbare Treue Jahwes zu seinen Bundespartnern, zu Abraham und seinen Nachkommen.

Asarjas Klagegebet ist die Aufforderung zur Neubesinnung in der Krise. Die Rückbesinnung auf den Anfang, auf Abraham.

Und auch hier wird vom Menschen ein Umdenken gefordert, Barmherzigkeit, die mehr wert ist als Tausende Tieropfer. Der Mensch, der um Barmherzigkeit schreit, muss zuerst selbst Barmherzigkeit üben. In Jesu Gleichnis vom barmherzigen König wird dies zu einem christlichen Auftrag.

Wenn man sieht, dass Gottes Verhalten das Maß für unser christliches Verhalten ist, dann wird uns Vergeben und Barmherzigkeit gegenüber den Fehlern anderer möglich und ermöglicht uns, im Glauben durchzuhalten, durchzustehen trotz vieler Enttäuschungen. Sie festigt unseren Glauben, weil sie uns Gott ähnlich macht.

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