4. April, Montag der fünften Fastenwoche – Vom ungerechten Gericht

Von Menschen falsch beurteilt, sogar verurteilt zu werden, ist eine bittere Erfahrung. Im AT hören wir die Geschichte der Susanna – zum Glück kommt Daniel, ein Geistbegabter junger Mann hinzu, der sie befreit. Oft werden Menschen beurteilt und auch verurteilt durch andere, die nur eine Tat begutachten, ohne Hintergründe zu verstehen oder zu beachten – und allzu oft getrieben von eigenen Plänen.

In dem Fall von Ehebruch stellt Jesus nicht die Schuld in Frage, auch nicht die der Frau. Er hat ein radikales sexuelles Ethos: „Auch wer eine Ehefrau nur lüstern ansieht, begeht Ehebruch mit ihr.“ Und darauf stand nach dem mosaischen Gesetz die Todesstrafe; wie auch nach der islamischen Sharia. Aber für ihn ist nicht die Vergangenheit eines Menschen entscheidend, sondern seine Zukunft. Er will Menschen, die sich schuldig gemacht haben, aus den Fesseln ihrer Vergangenheit lösen. Ehebruch bleibt Sünde, aber Jesus bringt Vergebung. Jesus gibt Vergebung als reine Gnade, als Geschenk. Er gibt eine neue Freiheit, damit eine radikale Lebenswende stattfinden kann. So stellt er das wahre Bild Gottes dar. Gott liebt den Sünder, nicht die Sünde. Gott geht dem Verlorenen nach.

Jesus hat uns aufgefordert, nicht zu richten. „Richtet nicht, damit auch ihr nicht gerichtet werdet!“ Die Geschichte mit der Ehebrecherin ist ein Fallbeispiel. Denn alle Menschen sind schuldig. Keiner ist vollkommen. Keiner ohne Fehler, bis auf Jesus selbst. Und er selbst, das sagt uns seine Passionsgeschichte, wird einem ungerechten Urteil zum Opfer fallen, und keiner wird ihn retten. Das ist der eigentliche Skandal des Kreuzes.

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