Afrika ist unsere Heimat – Lebensrückblick dreier Missionare

Afrika ist unsere Heimat – Lebensrückblick dreier Missionare

Insgesamt einhundertdreißig Jahre verbrachten die drei Comboni-Missionare, die auf dem Foto oben zu sehen sind, in Afrika. Drei hingebungsvolle Menschen mit tiefem Glauben und großer Liebe zu den Menschen. Ihr Motto: „Das ist unser Zuhause, und hier werden wir bleiben, solange wir leben.“

Comboni-Pater David Ferraboschi stammt ursprünglich aus Italien, hat aber rund fünfzig Jahre als Missionar im Sudan verbracht. Nur ein erzwungenes vierjähriges Exil konnte ihn vom Sudan trennen. „Als ich zum ersten Mal in den Sudan kam, waren wir etwa sechzig Comboni-Missionare im Land, aber heute sind wir weniger als zwanzig. Die Mission besteht trotzdem fort.“

Mit seinen 79 Jahren arbeitet Pater David immer noch „an vorderster Front“ in der Gemeinde Masalma in Omdurman. Sie wurde 1889 gegründet und ist die derzeit älteste Gemeinschaft von Comboni-Missionaren im Sudan. Die erste Mission von Pater David war jedoch bei den Nuba, in El Obeid und Kaduqli – in Nordkordofan bzw. Südkordofan.

„Dort habe ich diese ruhigen, einfachen, lebensfrohen und überaus gastfreundlichen Menschen lieben gelernt. In Masalma sind die meisten Christen Nuba, die dem endlosen Konflikt entflohen sind, unter dem ihre Gegend leidet. Ich liebe diese Pfarrei. Hier wurden die Missionsschwester Sr. Teresa Grigolini und der Comboni-Pater Josef Ohrwalder zusammen mit anderen Missionaren während des islamischen Aufstands Ende des 19. Jahrhunderts gefangen gehalten. Sie hatten eine Art Geheimkapelle, wo sie beteten, ohne dass jemand davon wusste, und damit ein großes Risiko eingingen. Deshalb wollten wir die Pfarrei gründen.“

1990 wurde Pater Davids Visum nicht verlängert, da die Regierung von Khartum die katholische Präsenz im Land reduzieren wollte. Pater David reiste nach Ägypten in der Hoffnung, bald in den Sudan zurückkehren zu können. Da die Genehmigung jedoch nicht eintraf, kehrte er nach Italien zurück, um am Päpstlichen Institut für Arabistik und Islamwissenschaft zu studieren. Während dieser Zeit verbesserte er seine Arabischkenntnisse und befasste sich eingehend mit dem Koran und die muslimische Religion. Erst 1994 konnte er zurückkehren. Er war fünf Jahre in Nyala (Darfur) und noch einmal acht Jahre in El Obeid bei den Nuba, bevor er 2005 in die Gemeinde Masalma kam.

Sein Gesicht strahlt, wenn er von seinem Leben dort erzählt. „Ich habe ein schönes Missionarsleben. Ich sehe, dass der Glaube an Jesus vielen Menschen hilft, voranzukommen, er inspiriert sie, die Unterschiede zwischen den Gemeinden zu überwinden, weil sie sich einer größeren Gruppe zugehörig fühlen.“ Er unterhält sich mit den Menschen und scheint es nie eilig zu haben. „Wenn man erst einmal in die Wirklichkeit der Menschen vordringt und sich von Vorurteilen befreit, ist alles einfacher. Es hat mich viel gekostet. Zuerst war ich ein Opfer des Wunsches, dass die Leute tun sollen, was wir tun und wie wir es tun. Doch so ist es nicht. Sie haben ihre Sichtweise, ihre Vorstellungen, und zweifellos sind sie die Protagonisten und müssen die Mission bewältigen.“

Im März letzten Jahres erhielt Schwester Conchita Lopez, eine Comboni-Schwester, von der spanischen Regierung durch das Außenministerium das Kreuz des Königlichen Ordens Isabellas der Katholischen für ihr Engagement für arme Menschen auf der ganzen Welt. Sr. Conchita Lopez wurde vor 75 Jahren in Toledo (Spanien) geboren. Der Sudan ist auch ihr Missionsland, das sie nur für einige Jahre verlassen hat, um sich um ihre betagte Mutter zu kümmern. Im Alter von zwölf Jahren verspürte sie eine sehr starke missionarische Berufung, dem sie trotz des energischen Widerstands ihrer Familie treu folgte. „Ich musste von zu Hause weglaufen, um meine Ausbildung bei den Comboni-Missionaren aufzunehmen, und nur allmählich, nach viel Leid, hat meine Familie meine Berufung akzeptiert und war sogar glücklich darüber.“

„Am 3. Dezember 1975 kam ich im Sudan an. Die ersten Jahre verbrachte ich in Omdurman und Atbara, lernte Arabisch und nahm die kulturellen Werte des Landes in mich auf. Später führten mich die Wege der Mission in den heutigen Südsudan. Ich verbrachte sechs Jahre in Juba, anschließend eine lange Zeit in Malaka, und es war immer dasselbe: Krieg, Krieg und noch mehr Krieg. Überall fielen Bomben, aber gleichzeitig war die Gnade Gottes so stark, dass sie uns erneuerte und uns Kraft gab, mit den Menschen weiterzumachen.“

Sr. Conchita fährt fort: „Damals waren alle humanitären Organisationen weg, und die Leute blickten uns an und fragten: ‚Gehst du auch?‘ Ich weiß nicht, woher wir die Kraft hatten zu sagen: ‚Nein, der gute Hirte verlässt seine Schafe nicht, deshalb bleiben wir‘.“ Die Generaloberin in Rom forderte die Schwestern auf, die Mission zu verlassen, und die Botschaft der Vereinigten Staaten bot ihnen einen Flug an, um aus Malaka wegzukommen, aber sie reisten nicht ab. „Wir haben es uns selbst ausgesucht. Wir beteten nicht darum, und die Obere sagte: „Ihr seht, was sie uns aus Rom sagen“, und es herrschte Stille. Plötzlich sagte eine Schwester: ‚Ich bleibe‘; dann noch eine: ‚Ich will auch bleiben‘, und so blieben wir zu sechst dort. Wir spürten, dass es nicht an der Zeit war, die Menschen im Stich zu lassen, die uns brauchten, und wir haben wirklich eine wunderbare Geschwisterlichkeit mit den Menschen geschaffen. Es war eine Freude für sie, uns dort zu sehen, und mit ihrem enormen Glauben ermutigten sie uns: ‚Mach dir keine Sorgen, Schwester, Gott ist mit uns‘. Wir kamen, um zu evangelisieren, und wir wurden evangelisiert.“

1996 reiste Conchita nach Spanien zurück, um sich um ihre Mutter zu kümmern. 2004 kehrte sie in den Sudan zurück, wo sie vier Jahre in Khartum verbrachte, bis sie 2008 ihrer jetzigen Gemeinde in El Obeid zugeteilt wurde. „Ich habe die Mission immer mit der Freude gelebt, zu den Ärmsten zu gehören. Ich begleite seit zwölf Jahren zwei Gemeinden in Rahad und Umruwaba, in der Nähe von El Obeid, mit Menschen, die in großer Not leben. Die meisten von ihnen sind Nuba, aber es gibt auch andere kleine Gruppen aus verschiedenen Gemeinden. Ich gehe dorthin und besuche Familien, auch muslimische. Ich spreche mit manchen von ihnen und versuche, anderen zu helfen, wo immer ich kann. Ich möchte sicherstellen, dass die Kinder zur Schule gehen und eine Ausbildung erhalten. Das ist meine Mission.“

Sr. Conchita erinnert sich an die Namen verschiedener Personen, denen sie begegnet ist. Einer von ihnen ist Riad, den sie taufte, da er in Lebensgefahr schwebte. Er starb wenige Stunden später. „Das war etwas sehr Emotionales. Da waren all diese Leute, die neben Riad auf den Knien beteten, in einem kleinen und sehr armseligen Haus, wo sie nur eine schmutzige alte Matratze hatten, aber viel Glauben.“

Pater Alfredo Neres ist Portugiese. Er hat mehr als 34 Jahre in der Demokratischen Republik Kongo verbracht. „Sobald ich im Kongo angekommen war, übernahm ich die Aufgabe, den Dörfern in der Savanne zu helfen, in denen die am meisten vernachlässigten Menschen leben. Es kann ein ganzes Jahr vergehen, ohne dass Menschen zur Beichte gehen oder an der Messe teilnehmen können. Während all den Jahren wollte ich immer die Freude erleben, unseren Christen in der Savanne zu begegnen und sie zu besuchen. Ich erinnere mich daran, wie ich eine Kapelle in der Mission Ango, 198 Kilometer vom Zentrum entfernt, besuchte und oft mein beladenes Fahrrad die Hügel hinaufschob. Meine Besuche in diesen Dörfern haben eine neue Atmosphäre geschaffen. Ich verkündete das Wort Gottes, hörte Beichte, feierte die Messe und verbrachte die Tage mit den Menschen. Manchmal blieb ich drei Wochen im Wald, bevor ich müde und ungewaschen, aber mit überschäumender Freude, in die Gemeinde zurückkehrte,“ erzählt Pater Alfredo.

Der Missionar fährt fort: „Bei meiner Missionsarbeit habe ich immer besonderen Wert auf die Evangelisierungsarbeit gelegt. Der zweite Schwerpunkt ist die Eucharistie, die den Menschen hilft, die Eucharistie in ihren Städten und Dörfern intensiv zu leben. Drittens halte ich das Sakrament der Versöhnung für grundlegend, da es die Liebe Gottes durch Vergebung und Nähe zeigt.“

Pater Alfredo erinnert sich: „Anfangs gab es in unserer Diözese im Kongo nicht viele Priester, und die Arbeit umfasste insbesondere die Vorbereitung der Katechumenen auf die Taufe. Es wurden viele Taufen und Firmungen gespendet, um die Menschen zur christlichen Reife zu führen. Als ich Bischofsvikar in Bondo war, beauftragte mich der Bischof, drei neue Pfarreien in der Diözese zu gründen, die weit voneinander entfernt lagen (Monga, Ango und Dakwa). Ich blieb zwei Monate in jeder Pfarrei, um die Voraussetzungen für ihre Gründung zu schaffen.“

Der Missionar fährt mit seinen Erinnerungen an sein Missionsleben fort. „Die beeindruckendsten Erinnerungen betreffen die sieben Jahre des Krieges von 1996 bis 2003, die ich in Ango und Bondo verbrachte. Als die Soldaten von Mobutu auf der einen Seite und diejenigen von Bemba und Kabila senior andererseits aufeinanderstießen, trafen Gewehrschüsse und Raketen das Dorf und unsere Häuser. Die Soldaten plünderten die Häuser und die Kirche. Sie dachten sogar, wir hätten Geld im Tabernakel versteckt. Um Schlimmeres zu verhindern, ließ ich den Tabernakel offen und leer. Ich nahm das Allerheiligste mit in mein Zimmer, wo ich einen schönen Altar aufgestellt hatte. Eines Nachts, zwischen 18:00 und 5:00 Uhr, tobte die Schlacht, Tausende von Schüssen wurden abgefeuert und der Wald in Brand gesetzt. Die Feuersalven der Panzer gingen über das Haus hinweg und explodierten an anderer Stelle.“

„Die ganze Nacht lag ich auf dem Boden und starrte auf das Allerheiligste. Ich verhielt mich natürlich völlig still und sagte unserem Herrgott, dass es schön wäre, wenn wir beide zusammen begraben würden und gemeinsam in den Himmel kommen würden. Seine Gegenwart hätte mir den Zutritt gesichert. In diesen Momenten habe ich die Anwesenheit Christi sehr stark empfunden. Ein anderes Mal, als wir in den Wald flüchteten, nahm ich das Allerheiligste Sakrament in meiner Tasche mit, und es war eine Quelle großer Freude für mich. Seine Anwesenheit unter uns gab uns überraschende Kraft und Mut.“

Pater Alfredo schließt: „Wenn ich auf mein 34-jähriges Missionsleben in diesem Land zurückblicke, überwältigt mich die Freude über das Leben, das ich geführt habe. In Momenten der Prüfungen und Sorgen gibt es mir Frieden und Freude in meinem Herzen. Ich bin berufen, diese Freude an die Menschen weiterzugeben, zu verschenken, zu teilen und zum Leben zu erwecken.

Als David, Conchita und Alfredo gefragt wurden, ob sie planen, den Sudan und die DR Kongo jemals zu verlassen, antworten sie ähnlich: „Das ist mein Zuhause. Ich bleibe, so lange ich kann“.

Enrique Bayo

Please follow and like us:
error
fb-share-icon