Kolumbien: Das Centro Afro – Ein Raum mit offenen Türen

Einer der Schwerpunkte der Missionstätigkeit der Comboni-Missionare in Kolumbien ist die Betreuung und Begleitung junger Afroamerikaner, die in einer Situation leben, in der sie an den Rand der Gesellschaft gedrängt sind.Sowohl in Tumaco als auch in den Randbezirken von Bogota und Cali unterstützen die Comboni-Missionare Jugendliche dabei, den Teufelskreis des Elends, in dem sie gefangen sind, zu durchbrechen. Es gibt bereits viele junge Menschen, die durch missionarische Bewusstseinsbildung, katechetische Gruppen und Jugendverbände in der Welt der Comboni aufgewachsen sind und sich zu ganzheitlichen Menschen des Glaubens und zu Fachleuten mit einem ausgeprägten Sinn für die Gemeinschaft sowie einer starken staatsbürgerlichen Verantwortung entwickelt haben.

Das Centro Afro von Tumaco, das seit zwölf Jahren besteht, ist vielleicht das beste Beispiel für dieses Engagement. Die Initiative begann im Viertel Nuevo Milenio in der von den Comboni-Missionaren geleiteten Gemeinde. Zunächst handelte es sich um eine Handvoll Kinder, die sich mit Unterstützung der Missionsgemeinschaft in deren Häusern trafen und eine Jugendgruppe organisierten, um soziale Fragen zu diskutieren, Aktivitäten für das Viertel zu planen und das Gemeinschaftsleben zu teilen. Die Dynamik gewann an Fahrt, und immer mehr junge Menschen engagierten sich. Seit der Gründung des Afro-Zentrums im Jahr 2011 sind verschiedene Kinder- und Jugend-, Kunst- und Sportgruppen entstanden und gewachsen.

Eine dieser Gruppen nennt sich „Descuadrate“ und widmet sich verschiedenen sozialen Themen und Engagements. Aus einem gelebten Glauben heraus und mit einem offenen und kritischen Geist analysieren ihre Mitglieder die Situation der Gemeinde und des Landes, organisieren Putztage, helfen Menschen in Not und planen Freizeitaktivitäten mit anderen jungen Menschen. Im Gegensatz zum städtischen Durchschnitt fällt in dieser Gruppe das hohe akademische Niveau ihrer Mitglieder auf, ebenso wie der sehr niedrige Prozentsatz an Teenagerschwangerschaften. All dies ist das Ergebnis eines Bildungsprozesses, dessen Ziel die Bewusstseinsbildung und die Befähigung zu Lebensprojekten mit einem starken Gemeinschaftssinn ist.

Über die verschiedenen Gruppen hinaus ist das Centro Afro ein Raum, dessen Türen für die gesamte Gemeinschaft offenstehen. Es gibt viele Kinder, die noch keiner ihrer Initiativen angehören, aber kommen, um Hilfe bei den Hausaufgaben zu suchen, sich beraten zu lassen oder einfach nur, um einige Zeit in einer geschützten, fröhlichen und einladenden Umgebung zu verbringen. So entstand zum Beispiel die Spielothek mit Gesellschaftsspielen und Spielzeug für Jung und Alt. Eines der größten Probleme der Jugendlichen in Tumaco und den Randgebieten der Großstädte ist die fehlende Möglichkeit, eine gute Ausbildung zu erhalten. Nach dem Schulabschluss können nur wenige eine weiterführende Ausbildung absolvieren, da ihre Familien nicht über die nötigen finanziellen Mittel verfügen. Aus diesem Grund haben die Comboni-Missionare auch ein Unterstützungssystem für afrokolumbianische Universitätsstudenten eingerichtet: Stipendien, Zuschüsse für Unterkunft und Verpflegung und sogar Transporthilfen.

Diese jungen Menschen sind ein großes Hoffnungszeichen für die gesamte afro-kolumbianische Bevölkerung, insbesondere für Kinder und Jugendliche, die in ihnen ein Vorbild sehen, wie unter so widrigen Umständen eine bessere Zukunft geschaffen werden kann.

P. Francisco Carrera, mccj

Lesen Sie hier einen weiteren Bericht zum Centro Afro in Tumaco und ein Interview mit Ulrike Purrer.

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