Pater Moses Otii Alir: Eine Brücke schlagen von Afrika nach Europa

Der Comboni-Missionar Pater Moses Otii Alir stammt aus dem Distrikt Kotido im Norden Ugandas. Nach seiner spirituellen und philosophischen Grundausbildung in seiner Heimat studierte er von 2006 bis 2011 Fachtheologie in Innsbruck und pflegt seit dieser Zeit auch gute Beziehungen zu einigen Familien in Südtirol. Sein Missionseinsatz in Zentralafrika fiel in eine Zeit leidvoller politischer Unruhen und gewaltsamer Angriffe auf seine Pfarrei, in der viele Menschen Zuflucht und Schutz suchten. Zurzeit macht Pater Moses ein Doktoratsstudium in Liturgiewissenschaft an der Universität Graz. Zugleich leistet er von unserem Missionshaus Messendorf aus wertvolle pastorale Arbeit im Seelsorgeraum Graz Südost.

Die Zentralafrikanische Republik (ZAR) ist ein Binnenland mit einer Fläche von 623.000 Quadratkilometern und umfasst somit ein Gebiet, das der Größe von Belgien und Frankreich entspricht. Ungefähr fünf Millionen Einwohner zählt dieses Land, das von enormen Reichtümern an Bodenschätzen und Energiereserven förmlich überquillt. Und das ist genauso wie anderswo der eigentliche Grund für die bewaffneten Auseinandersetzungen, die in der Bevölkerung unsägliches Leid verursachen. Seit seiner Unabhängigkeit am 13. August 1960 erlebte das Land auch immer wieder Staatsstreiche, auf die bewaffnete Rebellionen verschiedener Milizen folgten. Die Lage der Wirtschaft und die gesamtgesellschaftliche Situation des Landes waren schon immer prekär. Die politischen Unruhen haben die Lage jedoch noch weiter verschlechtert und haben zu einer Verarmung der Bevölkerung geführt. Nach dem Index des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen von 2018 ist die Zentralafrikanische Republik eines der ärmsten Länder der Welt und rangiert auf Platz 188 auf der Liste von 189 Ländern.

Die zehn Jahre, die ich als Missionar in diesem Land gearbeitet habe, waren für mich aufgrund des Krieges, der schon 2012 begonnen hatte und immer noch andauert, auch eine große persönliche Herausforderung. Die meisten unserer Pfarrgemeinden öffneten ihre Türen für alle ohne Unterschied, die vor der Gewalt der Aufständischen fliehen mussten, ganz unabhängig davon, woher sie kamen und welcher Religion sie angehörten. Die ständigen Angriffe auf die Gemeinde, in der ich Pfarrer war, konnten die christliche Gemeinschaft jedoch nicht davon abhalten, sich zu Gebet und Gottesdienst zu versammeln. Im Gegenteil: Das geistliche Leben der Gemeinde wurde in dieser Situation für viele zur wichtigsten Quelle der Ermutigung. In dieser schweren Zeit fühlte ich mich ganz tief mit den Menschen verbunden. Ich habe gelernt, trotz der ständigen Bedrohung bei meinen Leuten zu bleiben. Genau das wurde für mich zu einem wesentlichen Teil meiner missionarischen Spiritualität und Identität.

In diesem Sinn finde ich mich voll und ganz in dem wieder, was unser letztes Generalkapitel als Traum und als Wesensmerkmal der Comboni-Missionare bezeichnet: „Wir träumen von einem missionarischen Arbeitsstil, der mehr im praktischen Leben der Menschen verankert ist, die wir auf dem Weg zum Reich Gottes begleiten, und auf den Schrei der Erde und der Armen zu antworten weiß. Dieser drückt sich auch in einfacheren Lebensformen und Strukturen innerhalb von interkulturellen Gemeinschaften aus, in denen wir ein Zeugnis der Geschwisterlichkeit, der Einheit und der Freundschaft ablegen.“ Um eine solche zutiefst missionarische Präsenz in den Ortskirchen, in denen wir in der Pastoral arbeiten, um eine gute Zusammenarbeit mit all den verschiedenen Ämtern und Diensten, geht es ja nicht nur in Afrika, sondern auch hier in Europa und im deutschsprachigen Raum. Seit Februar letzten Jahres bin ich nun in Messendorf bei Graz in der Steiermark. Wir sind eine Gemeinschaft von sechs Mitbrüdern aus vier verschiedenen Nationen. Ich arbeite in der Seelsorgeeinheit Graz-Südost, die aus sieben Pfarreien besteht. Wir Comboni-Missionare leisten hier alle notwendigen pastoralen Dienste. Wir wechseln uns in der Feier der Gottesdienste und der Sakramente gegenseitig ab und begleiten die Gruppen, die es gibt. Ich arbeite in einem Team mit, das junge Menschen auf das Sakrament der Firmung vorbereitet. Wir sind in dieser Seelsorgeeinheit als Missionare präsent. Wir sind geprägt durch unsere verschiedenen Missionserfahrungen, die in unsere Pastoral einfließen. Diese missionarische Ausrichtung zeigt sich auch in den Aufgaben, die uns von der Diözese hier übertragen werden.

Was ich in meiner Mission in Zentralafrika erlebt habe, das hat nicht nur mein persönliches Leben geprägt, sondern bestimmt auch die Art und Weise, wie ich als Seelsorger arbeite und wie ich meine Pastoral verstehe und praktiziere. In den Seminaren und Konferenzen, zu denen ich von Zeit zu Zeit in Einrichtungen und Pfarreien innerhalb und außerhalb der Diözese Graz eingeladen werde, versuche ich eine Brücke zur Mission zu schlagen. Außerdem erhalte ich auch Einladungen zu Interviews für diözesane Zeitungen und kirchliche Organisationen. Ich verstehe all das als einen Beitrag zur Schaffung eines missionarischen Bewusstseins. Durch unsere Präsenz und unser Zeugnis, durch die Informationen, die wir weitergeben, wird eine Brücke „von hier nach dort“, von dieser Ortskirche zu anderen Ortskirchen der Weltkirche geschlagen. Hin und wieder feiere ich auch hier Gottesdienste mit Gruppen von Afrikanerinnen und Afrikanern und tausche mich mit ihnen aus. Diese Begegnungen tragen auch sehr dazu bei, mit Menschen in Kontakt zu kommen, die oft am Rand der Gesellschaft stehen.

Es ist hier zweifellos eine etwas andere Mission als jene, die mir in Zentralafrika anvertraut war. Aber diese Mission braucht es auch hier in Europa, und wir Comboni-Missionare möchten sie genauso verantwortungsbewusst wahrnehmen.

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