Katharina von Siena, die wir heute feiern, ist Mitpatronin Europas und wurde 1347 als eines von 25 Kindern der Familie Benincasa geboren. Sie hatte schon als Kind mit 7 Jahren eine erste mystische Christusbegegnung, die ihr ganzes weiteres Leben bestimmte.
Nach Jahren der mystischen Zurückgezogenheit spürte sie ihre Sendung zu den Armen und Schwächsten der Gesellschaft und pflegte Arme, Kranke und Gefangene.
Dies war die eine Seite. Auf der anderen Seite erregte Ihr Denken und Reden Aufmerksamkeit in Politik und Kirche und so wurde sie eine einflussreiche Beraterin, die sich in den Dienst des Friedens und der Menschen stellte.
Katharina verkörpert wie kaum eine Heilige die Spannung von Mystik und Kampf, von Kontemplation und Aktion, die christliches Leben ausmacht. 1380 ist sie mit nur 33 Jahren in Rom gestorben. Doch ihre Bedeutung zeigt sich die ganze Kirchengeschichte hindurch und so wurde sie 1970 zur Kirchenlehrerin erhoben.
Joh 12,44 Ich bin als Licht in die Welt gekommen
Mit seinen „Ich bin“-Worten knüpft Jesus seine Botschaft, seine Existenz und sein Handeln hinein in die lange Heilsgeschichte Gottes mit seinem Volk und mit den Menschen. Als vor Zeiten Mose am Sinai Gott begegnet war und ihm gesagt hat, dass das Volk wissen wolle, wie sein Name sei, bekam er die Antwort: „Ich bin!“ Jesus nimmt das auf und verweist darauf, dass er und der Vater eins sind, dass in ihm Gott gegenwärtig ist in dieser Welt. Das ist sehr vielfältig. Heute im Evangelium haben wir von Jesus gehört: Ich bin das Licht; vor kurzem: Ich bin die Tür. Wir wissen von den anderen Bildern, die Jesus braucht: der Weg, das Leben, die Wahrheit, der gute Hirt, das lebendige Brot. Israel hatte im Laufe der Jahrhunderte erlebt: Dieser Gott „ist“ wirklich, und er „ist da“. Jesus will diese Gegenwart Gottes neu verdeutlichen und nahe bringen. In Jesus ist Gott Mensch und den Menschen nahe. Aber Gott ist uns in Jesus nicht nur nahe gekommen:
Er ist das Licht! Seine Worte erhellen unsere Entscheidungen, bringen Licht in unsere Dunkelheit. Der Glaube ist das Licht, das unser Inneres erhellt. Es ist, als ob wir an einem dunklen Ort leben würden: Wir lernen, uns zu bewegen, die Dinge um uns herum zu erkennen, ein „normales“ Leben zu führen. Plötzlich öffnet jemand die Fensterläden und das Sonnenlicht fällt in unser Zimmer. Die Objekte sind dieselben, unser Leben ist dasselbe, aber jetzt sieht alles anders aus: Was wir vorher nicht verstehen konnten, ist klar, und nichts macht uns mehr Angst. Der Glaube wird zum Maßstab des Seins und Handelns. Die Worte des Herrn anzunehmen, ihm zu vertrauen, bedeutet, diese brennende Erfahrung der Neuheit zu machen, die unsere Sichtweise der Dinge verändert.
Das Wort selbst aber unterscheidet und urteilt. Wer das Licht nicht hereinlässt, ist dazu verdammt, in der Dunkelheit zu leben. Die Dunkelheit ist also keine göttliche „Strafe“, sondern eine Folge unserer freien Entscheidung. Erlauben wir dem Wort, heute und immer, unser Leben zu erleuchten und zu erwärmen, unsere täglichen Entscheidungen zu motivieren und zu leiten.
