Jesus und Johannes (2. Advent – Mt 11, 2-11)

Gibt es keine andere Botschaft? – doch! Jesu Botschaft ist ganz anders. Und das spürte auch Johannes. Beide kannten sich. Jesus schätzte den Johannes. Wegen seiner Gradlinigkeit hatte ihn die politische Elite ins Gefängnis gesteckt. Und weil Jesus so ganz anders war, fragt Johannes, ob er der ersehnte Messias sei. Und Jesus lässt Johannes ausrichten: „Blinde sehen wieder, und Lahme gehen; aussätzige werden rein, und Taube hören…, den Armen wird das Evangelium verkündet. Jesus fügt noch hinzu: „Selig, wer an mir keinen Anstoß nimmt“ (Mt. 11, 2 – 6). Jesus geht am Täufer vorbei, dessen Gerichtspredigt er mit seiner Botschaft vom bedingungslos liebenden Gott hinter sich lässt. Wie Johannes mit dieser ganz anderen Botschaft umgegangen ist, darüber erfahren wir nichts.

Aber das beschäftigt mich: „Selig, wer an mir keinen Anstoß nimmt!“ Die Geschichte der Kirche zeigt sehr wohl, dass die Kirche recht oft Anstoß an ihrem Herrn genommen hat. Sie ist immer wieder der Gefahr erlegen, sich eher an der düsteren und Angst machenden Drohbotschaft des Johannes zu orientieren als an der Frohen Botschaft Jesu.

Wenn ich Jesus in den Evangelien nachspüre, dann bin ich fasziniert von einem Mann mit einer unvergleichlichen Ausstrahlung. Fasziniert von einer Botschaft, die menschlich ist, die Ängste nimmt und die aufatmen lässt. Eine Botschaft, die sagt, dass Gott uns gut will, dass er uns liebt – ohne Vorbedingungen. Ich glaube, das sagt Jesus heute.

Aus: Michael Broch, Jesus, Mit ganzem Herzen denken und glauben, Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2013.

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