Die Liebe verbindet uns

Der Comboni-Missionar Theo-Gracia Bouzou stammt aus der Zentralafrikanischen Republik. Derzeit studiert er am St. Joseph Theological Institute in Cedara, Pietermaritzburg (Südafrika). Er teilt mit uns seine Erfahrungen.

Ich wurde am 30. Juli 1991 in Bangui, der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik, geboren. Als ich klein war, nahmen meine Eltern mich immer in die Kirche mit, und nach und nach spürte ich eine Berufung. Anfangs kannte ich nur Diözesanpriester und wollte ins Kleine Seminar eintreten. Dann wurde mein jüngerer Bruder krank, und das Geld, das mein Vater für mein Studium gespart hatte, wurde für die Pflege meines Bruders verwendet. Dennoch setzte ich mein Studium fort und bat einen Diözesanpriester, mein geistlicher Leiter zu sein. Er machte mich mit der Kongregation „Society of African Missions” bekannt. Ich kam ihnen nahe, aber mir wurde klar, dass ich mich nicht mit ihrer Spiritualität identifizieren konnte.

Dann lernte ich Sr. Zenaid von der Herz-Jesu-Kongregation kennen, und wir gründeten in meiner Pfarrei eine Berufungsgruppe. Wir begannen damit, uns monatlich mit jungen Leuten zu treffen. Sie sprach mit mir über Comboni und brachte mich in ihre Pfarrei Fatima in Bangui. Dort traf ich mehrere Comboni-Missionare. Sie haben mich sehr gut aufgenommen und mir ein Buch über das Leben des hl. Daniel Comboni geschenkt. Ein paar Monate später schloss ich mich der Gruppe der Aspiranten an.

Als ich die Comboni-Missionare kennenlernte, sprach ich mit meinem Vater über meinen Wunsch, mich ihnen anzuschließen. Er war jedoch eher dafür, dass ich nach meinem Studium arbeiten und der Familie helfen würde, aber ich bestand auf meiner Berufung. Als ich ins Seminar eintreten sollte, brach der Bürgerkrieg aus. Die Ausbilder baten uns, zu Hause zu bleiben. Im Juli 2013 konnte ich endlich ins Seminar gehen. In dieser Zeit beherbergte unsere Gemeinde Menschen, die vor den Angriffen der Rebellen geflüchtet waren und um Zuflucht baten. Bevor ich mein Postulat begann, absolvierte ich zusammen mit Mitgliedern verschiedener Kongregationen einen dreijährigen Philosophiekurs im Diözesanseminar St. Markus. Nach dem Abschluss wurde ich mit einem Kommilitonen ins Noviziat nach Benin geschickt. Es war eine gute Erfahrung für mich. Danach wurden wir als Gruppe von drei Novizen nach Togo gesandt. Dort teilten wir das Leben und den Glauben der Dorfbewohner, besuchten sie in ihren Häusern und nahmen mit ihnen an liturgischen Feiern teil. Anschließend kehrten wir nach Benin zurück, wo ich am 4. Mai 2019 meine ersten Gelübde ablegte.

Einige Monate später wurde ich zum Theologiestudium nach Südafrika geschickt. Seit meiner Ankunft besuchte ich nur zwei Monate lang den Unterricht, bevor COVID ihn störte. Neben meinem Theologiestudium wurde ich auch zum Gefängnisseelsorger berufen, konnte aber nicht dorthin. Zumindest konnte ich mit den Bewohnern unserer benachbarten Siedlung Jikadjo in Pietermaritzburg Kontakt aufnehmen.

Als Comboni-Missionar habe ich versucht, die Wirklichkeit zu erkennen, und ich schätze die südafrikanische Kultur, die Menschen, ihre Art miteinander umzugehen und ihren Glauben zu praktizieren. Als Ordensleute stehen wir vor einer großen Herausforderung; wir müssen sehr kreativ sein und andere in ihrem pastoralen Engagement motivieren.

Unsere Gemeinschaft besteht aus Studenten aus verschiedenen Kontinenten, und das ist eine große Herausforderung. Wir müssen andere so annehmen, wie sie sind, und offen dafür sein, andere Kulturen kennenzulernen. Wie bei jedem Menschen gibt es auch bei uns Augenblicke der Konfrontation oder des Missverständnisses, aber wir versuchen, sie durch die Augen des Glaubens zu sehen und als Apostel zu leben.

Was uns eint, ist Liebe, also müssen wir auf die Güte anderer schauen. Wenn man nur auf die Schwächen des anderen blickt, kann man die Person nicht lieben. Ich hatte keine wirklichen Schwierigkeiten in meiner Beziehung zu anderen, seit ich nach Pietermaritzburg gekommen bin. Als ich ankam, hatte ich Probleme mit der Sprache, aber einige meiner Mitbrüder halfen mir. Ich kann sagen, dass ich unser religiöses und gemeinschaftliches Leben genieße. Wir sind bereit, aufeinander zuzugehen und jedes Problem zu lösen, wenn es Missverständnisse gibt.

Als Comboni-Missionar glaube ich, dass wir hinausgehen müssen, über uns hinauswachsen müssen, um etwas zu erreichen. Die Welt verändert sich, und wir müssen kreativ sein, unseren Geist öffnen, wenn wir eine neue pastorale Antwort darauf geben und als Gemeinschaft auf ihre Herausforderungen reagieren wollen.

Die Mission ist das Geschenk Gottes und ich bin bereit, dorthin zu gehen, wohin ich geschickt werde. In unserer missionarischen Tätigkeit müssen wir den Menschen fördern und befähigen, damit er sich selbst helfen kann. Im Moment, zum Beispiel in Südafrika, haben wir Comboni-Missionare keine Schulen, Krankenhäuser, Jugendzentren; wir müssen darüber nachdenken, ob wir etwas daran ändern können.

Sc. Theo-Gracia Bouzou mccj

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