Ein Kreuz als Denk-Mal (Karfreitag – Joh 18, 1-19, 42)

Das Kreuz in unserer Kirche –
es ist riesengroß,
beherrscht den ganzen Raum.
Um dieses Kreuzes willen
ist diese Kirche mir ein lieber Ort.

Da seh ich dich, o Herr,
hängend am Marterpfahl.
Du hast den Tod auf dich genommen,
unseren Tod in seiner schlimmsten Form.

Das lässt mich denken an meinen eigenen Tod.
Tod – man redet schon von ihm – ganz allgemein.
Doch denkt man auch konkret an ihn?

Ich glaube, Herr, ich denke wirklich daran,
dass mein Tod nicht auf sich warten lässt.
Er kommt – todsicher, wie man sagt.
Wie werde ich dann reagieren,
wenn ich merke: Jetzt ist er da?

Über das, was dann kommt,
habe ich viel studiert und gelernt,
hab dicke Bücher gelesen.
Ich habe auch – vielleicht gar nicht schlecht –
davon geredet – große Worte gemacht…
Ob das alles dann noch zählt?
Ich glaube:
Das alles spielt dann keine Rolle mehr.

Ich kann nur bitten: Steh mir bei,
komm mir entgegen,
lass mich dich treffen.
Von dir in den Arm genommen zu werden –
was dann kommt – ist das noch wichtig?

Komm mir entgegen, Herr,
das bitt ich dich.
Lass mich darauf vertrauen,
jag alle Zweifel weg!

Aus: Gabriele Miller, Ob du mich hörst? Gebete. Kösel 2000.

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