Mariä Aufnahme in den Himmel

„Nach Vollendung ihres irdischen Lebenslaufes wurde die heiligste Jungfrau Maria mit Leib und Seele in die Herrlichkeit des Himmels aufgenommen, wo sie schon an der Auferstehungsherrlichkeit ihres Sohnes teilhat und so die Auferstehung aller Glieder seines Leibes vorwegnimmt“ (Katechismus der Katholischen Kirche). Am 15. August feiert die Kirche das Fest Mariä Aufnahme in den Himmel, manchmal auch Mariä Himmelfahrt genannt. Die damit verbundene Glaubensüberzeugung ist seit alters her vorhanden. In der Ostkirche ist das Fest bald nach dem Konzil von Ephesus (431) aufgekommen, in der römischen Kirche wird es seit dem 7. Jahrhundert gefeiert.

Der „Hohe Frauentag“ am Hochfest Mariä Aufnahme in den Himmel steht in der Volksfrömmigkeit hoch da. Verschiedenste Feiern mit guten Bräuchen sind vorhanden, z. B. Kräutersegnung mit Andacht, Andacht mit eucharistischer Prozession, Seeprozessionen … Zur Kräutersegnung werden seit über tausend Jahren an diesem Tag Heilkräuter zum Gottesdienst gebracht. Die Heilkraft der Kräuter soll durch die Fürbitte der Kirche dem ganzen Menschen zum Heil dienen. Dieses Heil ist an Maria besonders deutlich geworden. Deshalb bezieht die Liturgie die Aussagen der Schrift über die göttliche Weisheit auf Maria und bringt Palmen, Rosen, Zimt, Myrrhe, Weihrauch, Wein und wohlriechende Kräuter (vgl. Sir 24), um Maria zu ehren. Mit den Blumen bringen wir die Schönheit der Schöpfung in den Gottesdienst, der so zu einem sommerlichen Fest der Freude wird. Blumen und Kräuter spiegeln die Fülle und Schönheit der Natur als Schöpfung Gottes, sie sind aber auch Zeichen der Fülle und der Schönheit der Gnade, der liebenden Zuwendung Gottes zu Maria und zu jedem von uns.

Blumen sind ein Zeichen der Lebensfreude und der Hoffnung. Die Dogmatisierung der leiblichen Aufnahme Marias in den Himmel durch Papst Pius XII. (1950) sollte nach den Barbareien und Höllen des Zweiten Weltkrieges und der Shoah ein Zeichen der Hoffnung sein. Im Gefolge Marias ist nicht der Tod, ist nicht ein Trümmerfeld. „Es blüht hinter ihm her“- so lautet ein Wort von Hilde Domin. Wir dürfen es von Maria sagen. Marias Hinterlassenschaft, Marias Erbe ist Friede, Versöhnung und Hoffnung für die Kleinen und Geringen. Es blüht hinter Maria her, weil sie einen Raum der Dankbarkeit hinterlässt, nicht eine Atmosphäre des Neides, des Ressentiments, des Zu-kurz-gekommen-Seins. Es blüht hinter Maria, weil sie nicht Zynismus oder Verachtung ausstrahlte, sondern Ehrfurcht vor der Würde des Menschen, gerade auch der anderen und Fremden. Es blüht hinter ihr her, weil ihre Aufnahme in den Himmel Hoffnung auf Auferstehung für alle einschließt.

Aus: Manfred Scheuer, Und eine Spur von Ewigkeit. Ein geistlicher Begleiter durch das Jahr. Herder Verlag Freiburg Basel Wien 2006.

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