19. Mai, Donnerstag der fünften Osterwoche

Joh 15,9-11: Bleibt in meiner Liebe, damit eure Freude voll ist.

Die lange Rede, die Jesus nach dem letzten Abendmahl hält, ist ein Crescendo aus Theologie und Mitgefühl, Barmherzigkeit und Ehrfurcht. Der Evangelist Johannes stellt auf diesen Seiten das geistliche Testament des Herrn vor, und als Zusammenfassung der Rede Jesu kann man sagen: Er lädt uns ein, in seiner Liebe zu bleiben, zu verweilen, auszuharren.

Wir halten dies für selbstverständlich, aber es ist nicht so. In der Geschichte der Menschheit hatte Religion oft mit Moral, mit Anbetung, mit Regeln zu tun. Fast nie mit Liebe. Die außerordentliche Neuheit des Christentums besteht gerade in der Offenbarung eines Gottes, der liebt und der, indem er uns liebt, unsere Existenz ermöglicht.

Jesus bekennt mit Begeisterung und ohne Umschweife, dass er uns, seine Jünger, liebt. Wir werden geliebt! Auch wenn wir uns dessen nicht bewusst sind, auch wenn es uns schwer fällt, uns lieben zu lassen, sind wir trotz unserer Grenzen und Sünden geliebt! In der Liebe zu bleiben, bedeutet also, sich dieser grenzenlosen Liebe ständig bewusst zu sein. Alles andere kommt später: die Normen, die unverzichtbar sind, um der Liebe eine Form zu geben; die Anbetung, der Ort der Begegnung mit dem Geliebten; die Moral, die die konkrete Umsetzung unseres neuen Lebens ist. Wir werden geliebt: Wir wohnen in der Liebe

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