Werde, der du sein kannst – 24. Sonntag im Jahreskreis (Mk 8,27-35)

Bei einem Psychologen habe ich einmal gelesen, dass wir uns oft Schaden zufügen, weil wir unsere Fähigkeiten nicht nutzen und an alten inneren Bildern und Verboten festhalten. Daher gilt es zu schauen, was unsere Energien blockiert.

Jesus, der als Lehrer der Botschaft Gottes auftrat, möchte erfahren, ob die Leute und die Jünger seine Berufung und Fähigkeiten erkennen. Wir merken, die Leute benützen die alten Vorstellungen aus ihrem Glauben: sie nennen ihn einen Propheten. Propheten gab es viele in der Geschichte Israels, angefangen bei den sogenannten großen Propheten wie Moses, Elias, Jeremia oder Isaia. Oder die kleinen Propheten wie Jonas oder Daniel. Auch als Getaufte haben wir Anteil am Prophetentum. Was ist das für ein Potential?

Hat Gott ein Feuer in uns entfacht wie bei Moses im brennenden Dornbusch? Oder weinen wir mit Jeremias, weil er bezeugt, dass Gott mehrfach weint? Er selbst klagt, wird verfolgt und mit dem Tod bedroht. Doch er zeigt auf, wie Gott nach schwerem Leid neues Leben und Heil schenkt. Der Prophet Daniel schaut in rätselhaften Visionen den Aufstieg und Niedergang der Weltmächte bis Gott selbst sein Königtum über diese Welt aufrichtet. Das Fundament der Hoffnung ist gelegt. Der scheinbar letzte Prophet, Johannes der Täufer ruft zum Umdenken auf, zur Gerechtigkeit, weil das Reich Gottes nahe ist. Und wir heute? Welchen Fußspuren folgen wir?

„Die Propheten haben sich schlafen gelegt“- so formuliert eine jüdische Apokalypse im 2. Jahrhundert und will sagen, dass die prophetische Stimme verstummt sei. Und doch haben wir Spuren im Neuen Testament. Und Jesus? Haben wir seine einmalige Persönlichkeit erkannt? Ist er wirklich unser Messias vom Wesen her?

Messias Träume hatten sie, haben wir, königliche Würde wollen wir, Befreiung aus vielfacher Knechtschaft ebenso. Welche Fähigkeiten haben wir, um ein Volk Gottes zu werden mit Frieden und Freiheit, damit wir das Wohlgefallen Gottes finden?

Charlotte Sachs
9.9.2021

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